Folge 1: Alle wussten es, aber keiner sprach darüber

Shownotes

Folge 1: Alle wussten es, aber keiner sprach darüber

Ali erzählt von seiner Herkunftsgeschichte, türkischen Werten und Tabus rund um das Thema Glücksspiel. Ali hat 10 Jahre problematisch Sportwetten getippt – ein unausgesprochenes Geheimnis, von dem jeder wusste, aber keiner sprach. In einem türkisch geprigten Umfeld fanden seine Probleme wenig Gehör, der Schein nach außen sollte gewahrt werden. Heute kann er die damalige Situation bewusster reflektieren und berichtet von seinen Erfahrungen.

Die nächste Folge erscheint am 25.06.

Warum dieser Podcast?

Glücksspielsucht betrifft nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Partner:innen, Familien und Freundeskreise.

Mit „Ausgezockt“ möchten wir:

  • Betroffenen und Angehörigen eine Stimme geben,
  • Verständnis für die Dynamik von Glücksspielabhängigkeit schaffen,
  • über Risiken von Sportwetten aufklären und
  • Wege in Beratung und Selbsthilfe sichtbar machen.

Der Podcast richtet sich an Betroffene, Angehörige sowie alle, die sich für Prävention und Aufklärung im Bereich Glücksspielsucht interessieren.

Hilfe & Beratung

  • Informations- und Beratungsangebote: www.ausgezockt.de
  • Kostenfreies Hilfetelefon Glücksspielsucht: 0800 077 66 11 (anonym und bundesweit)

Herausgeberin

Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW

Transkript anzeigen

00:00:44: Hallo und herzlich willkommen in unserem Podcast von ausgezockt Sucht ungefiltert.

00:00:49: Wir sprechen für euch mit Betroffenen von Glücksspielsucht, und in der letzten Staffel sogar mit zwei Mit einer Betroffenin und ihrem Angehörigen Ihrem Partner.

00:00:58: da ging es um die Geschichte von Nicole und ihrer Glücksspielprobleme und die Auswirkungen auf ihre Beziehung zu Ingo.

00:01:06: Wenn ihr diese verpasst habt hört gerne rein – unbedingt!

00:01:16: Wenn ihr unseren Podcast schon kennt, merkt ihr gerade sicher das Leo fehlt.

00:01:21: Er hat das Mikrofon weitergegeben – ich bin jetzt da, Tatjana vielleicht kennt ihr mich aus unserem anderen Kanal.

00:01:28: ausgezockt über Sucht und Systemen.

00:01:31: Ich bin Beraterin hier in der Landesfachstelle Glücksspielsucht und angehende Psychotherapeutin.

00:01:36: Mit mir sitzt heute Ali!

00:01:39: Er war so frei uns im Büro zu besuchen und von seiner Geschichte erzählen.

00:01:45: Hallo zusammen.

00:01:46: Sehr gut Ali, danke schön dass du da bist.

00:01:49: sehr gerne Dankeschön für die Einladung.

00:01:52: erzähle gerne von dir wo kommst du her?

00:01:54: was ist so?

00:01:55: dein Leben?

00:01:56: start

00:01:56: also.

00:01:57: meine Wurzeln bzw.. Von meinen Eltern liegen in der Türkei.

00:02:01: Also ich sehe türkisch aus aber habe sehr viel von den deutschen Tugenden mitgenommen bin hier geboren hier auch aufgewachsen und Ich finde es auch sehr sehr gut das sich sozusagen beide Wurzeln dann auch tatsächlich mit leben durfte und da drin auch aufwachsen durfte, weil man konnte sozusagen aus den Bereichen sehr viel mitnehmen.

00:02:21: Mein Vater kam damals mit vierzehn nach Deutschland auch wegen dem Bergbau.

00:02:25: also dann gab es ja diese Welle dass die Leute aus der Türkei hierhin gekommen sind und dann hat er irgendwann mal im Bergbau angefangen zu arbeiten hat dann nach meiner Mama aus Türkei auch rübergeholt und danach kamen erst mal meine zwei älteren Schwestern auf die Welt.

00:02:41: Und ich als drittes Kind, irgendwann muss ja ein Sohn kommen... Da hat mein Vater nicht aufgeklärt!

00:02:52: Da hat er sozusagen den Willen vorgelebt Genau, irgendwann wurde er belohnt.

00:02:59: Ja dann kam ich auch die Welt.

00:03:00: ja und wir sind ursprünglich komme ich aus Kampeln fort das ist nah an Holland dran.

00:03:08: deswegen sind wir eigentlich dort auch in der Ecke sehr freundlich Und man sagt auch Ja eine sehr nahe an den Blumen.

00:03:16: also da sehr sehr sehr ländlich es auf jeden Fall sehr schöner Ort Der aber für mich irgendwann nicht mehr ein schöner ort war.

00:03:22: also von der örtlichkeit her ja Aber aufgrund meiner Themen, die dann dazu kamen wurde mir dann auch irgendwann mal von dem Therapeuten angeraten dort nicht mehr zu leben.

00:03:33: Genau

00:03:34: ja das kann ich gut verstehen.

00:03:36: Dazu kommen wir sicherlich nochmal im späteren Verlauf.

00:03:39: aber mir ist im ersten Moment sofort aufgefallen als du sagst dass er dein Papa wurde mit dir belohnt also irgendwie direkt so eine Lebensaufgabe mitbekommen.

00:03:48: Ja also der also im türkischen ist es ja auch so.

00:03:52: Also ich persönlich finde das auch wichtig.

00:03:54: also den Nachname.

00:03:57: Die Frau kann ja auch den Nachnamen behalten, aber es ist meistens so dass die Frau den Nachname von dem Ehemann annimmt.

00:04:03: Und dann war mein Vater dann halt auch glücklich das der Name dann weitergetragen wird und ich habe halt den Vornamen seines Vaters und das war halt dann so eine Kette.

00:04:12: Das heißt meine Opa heisst auch Ali, meinen Papa heißt Mustafa und von meinem Papa der Opa heißt auch Mustafa also immer Ali Mustafa, Ali Mustafa.

00:04:21: Ich habe jetzt aktuell eine Tochter, sie ist fünf.

00:04:23: Die heißt Malia Amira und mein Papa hat immer gesagt wenn ich einen Sohn bekomme dann muss der Muster feißen.

00:04:31: Und er hat gesagt wer?

00:04:33: Du unterbrichst die Kette!

00:04:35: Dann hab' ich gesagt nein nicht unterbriche die Ketten nicht aber es gibt ja auch zwei Namen.

00:04:39: vielleicht finde ich hier einen anderen Namen auch schön.

00:04:41: Dann würde ich dann halt auch mein Kind einen Doppelnamen geben.

00:04:44: Ja,

00:04:45: ein schöner Kompromiss!

00:04:46: Genau, aber man weiß ja nie... Ich werde nächste Woche im Mittwoch, werde ich es in zweiundvierzig?

00:04:50: Oha!

00:04:51: Nee, ich muss mal schauen ob da noch ein Sohn kommt oder nicht.

00:04:59: Ja sehr gut, aber ich glaube Männer haben ja so'n bisschen Zeit ne?

00:05:02: Ja das stimmt, das stimmt aber man weißt ja nie.

00:05:07: Man sagt ja irgendwann schießt man nur noch mit Platzplatz rollen Ich weiß ja nicht wann diese Zeit eintrifft.

00:05:17: Ja, Zeitkommentrat!

00:05:21: Genau

00:05:21: ich würde gerne nochmal ein bisschen deine Familiengeschichte mit rein fragen weil ich hoffe natürlich auch dass wir mit unserem Podcast Leute erreichen die sich dann später das Hilfesystem wenden so wie du das irgendwann gemacht hast Und uns erreichen, muss ich ehrlich sagen sehr viele männliche junge Menschen mit türkischem Hintergrund.

00:05:41: Deswegen finde ich es super, dass du heute ein bisschen erzählst weil ich eben häufig den Eindruck hab das ist ein Tabuthema ist vor allem für junge Männer.

00:05:50: ja also Bei mir, also das hat so angefangen damals.

00:05:54: Mein Papa hatte immer den Wunsch, der wollte halt das Bestmögliche für seine Kinder, wie meine Mama ja auch, wollen ja alle Eltern und mein Papa hatte dann halt immer den Traum oder einen Wunsch für uns Dreien dass wir alle drei Ärzte werden.

00:06:07: Eine Schwester von mir die älteste ist auch Ärztin, die Skadiologin, hat eine eigene Praxis in Recklinghausen.

00:06:12: Die andere Schwester hat dann auch angefangen Medizin zu studieren, hat das aber abgebrochen weil ihr Lehramt mehr lag.

00:06:19: sie ist jetzt auch in Hamburg Lehrerinnen Und ich war der Dritte im Bunde und habe dann auch tatsächlich mal beim Arzt ein Praktikum gemacht.

00:06:27: Da hab' ich dann aber schnell gemerkt, nachdem ich bei deiner OP zu gesehen hab', da bin ich halt gleich angelaufen, da musste die Arzt-Helfer mich raus begleiten... ...und da hab ich meinen Papa gesagt, ja Papa den Wunsch kann ich dir nicht erfüllen!

00:06:44: Also das ist nicht nur weil mein Vater sich das gewünscht hat, sondern ich fand Sportmediziner sehr interessant.

00:06:50: Ja, aber Interesse ist das eine.

00:06:54: Obwohl ich auch viele Tätos habe die ja wehtun und wo man da durch die Haut reingeht.

00:07:02: Aber das ist halt ein anderer Schmerz, ein anderer Blick drauf.

00:07:05: Aber zum Beispiel bei Spritzen oder OP-Star bin nicht raus.

00:07:10: Da bin ich, da schaffe ich nicht.

00:07:13: Und danach hat jeder seinen Weg eingeschlagen und meine Schwester die eine war dann erstmal in einem anderen Bundesland, die andere waren im anderen Bundeslands.

00:07:23: Bei mir war es halt immer der Traum auch Fußballprofi zu werden.

00:07:26: Den hatte auch mein Vater für mich und ich habe damals bei den Zebras von Duisburg ja im Jugendbereich auch sehr gut performt und lief auch alles sehr gut.

00:07:39: Also dann haben wir auch die MSV Duesburg immer einen Bus gestellt.

00:07:43: Und irgendwann, die uns aus Kampnipfort eingesammelt haben und irgendwann war das halt nicht so gegeben.

00:07:48: Da hat mein Vater mich immer unterstützt.

00:07:50: Da war wirklich jedes Training und jedes Spiel war da immer dabei.

00:07:54: Irgendwann kam mit achtzehn.

00:07:56: Dann lernt man halt die Welt draußen kennen.

00:08:00: Dann trinkt man das erste Bärchenmaar und geht auf die Piste mit den Jungs.

00:08:05: Und dann habe ich auch zu der Zeit in der Verbandstiger Oberliga gespielt, auch in Strahlen und in Homburg.

00:08:10: Das war eine sehr gute erfolgreiche Zeit aber leider war ich nicht mehr so diszipliniert wie früher.

00:08:15: Danach habe ich den Weg mehr in die Discos gesucht als auf dem Spielfeld.

00:08:20: Dann ging es irgendwann mal von oben runter in die Unterklassungen liegen und dann habe mich gemerkt du hast den Sprung in die Profis nicht geschafft.

00:08:29: Auch eigene Jugendlicher Wahnsinn sag' ich mal!

00:08:34: Aber dann hab ich gemerkt, können meine Schwester lernen.

00:08:37: Die eine ist jetzt da, diese Ärztin und ich hab noch nix gerissen im Leben.

00:08:41: Und war das schwarze Schaf in der Familie.

00:08:43: Ich hab auch sehr lange zu Hause bei den Eltern gelebt.

00:08:47: Ja, ich wollte irgendwann raus nur halt ... Wenn das Geld kommt und du das alles verzockst, dann ist es nicht so.

00:08:53: Aber auf deine Frage zurückzukommen mit den Hintergrundten?

00:08:58: Mit Leute die dann ... Ja, aus der Türkei kommen oder halt von anderen Ländern.

00:09:05: Genau da ist es halt so dass das Thema zum Beispiel Spiel sucht.

00:09:10: also das wird einfach darüber nicht gesprochen.

00:09:12: Also derjenige der das macht er macht und dann ist in Ordnung.

00:09:15: klar.

00:09:15: natürlich wenn dann jemand in der Familie das vielleicht nicht macht der wird dir dann schon die Info geben.

00:09:20: hey das ist gerade nicht richtig lass es mal bitte sein.

00:09:22: oder vielleicht unser Kühlschrank ist gerade leer oder die Miete wird gerade nicht bezahlt oder wir haben keinen Tank im Auto oder sonst was.

00:09:28: Da wird halt schon eine Info gegeben.

00:09:30: Aber die Männer, also auch aus meinem Land, außer Türkei ... Wenn das die alte Tradition ist, sag ich mal, ja, die Männer lassen sich da nichts sagen und wenn man dann sagt hey du bist spielzüchtig such dir mal Hilfe Das kommt wie eine Beleidigung gleich Und das lasst sich ein Mann nicht sagen und sagt Hey Also du hast klar wir können miteinander sprechen aber bis zu einer gewissen Grenze.

00:09:56: Diese Grenze ist dann für die auch schnell erreicht.

00:09:59: Und das Kuriose, da komme ich auch gerne ... Das erzählte ich auch gern.

00:10:03: Ich war ja dann auch irgendwann mal in Therapie und ich dachte, weil ich halt in den Wettboden wirklich neunzig Prozent Ausländer gesehen habe und zehn Prozent Deutsche.

00:10:12: so ungefähr war das damals.

00:10:14: Ich weiß jetzt nicht, wie das jetzt ist.

00:10:15: Weil ich seit zwölf Jahren nicht mehr da reingehe.

00:10:17: Aber

00:10:17: es war

00:10:18: ein Kampelnfort?

00:10:19: Ja genau.

00:10:21: Und da war halt so Standard.

00:10:22: also man kannte sich, jeder war halt da den man sich kannte.

00:10:26: Da waren auch die ganzen türkischen Männer.

00:10:29: und ja wenn jemand zum Beispiel irgendwo einen jungen Mann mit Bier in der Hand gesehen hat er gesagt was bist du eine Feine?

00:10:35: Also du bist doch Moslem und warum trinkst du denn Bier?

00:10:38: aber zeitgleich auch zehn Wetschereien in der hand.

00:10:40: daher wo man dann sich denkt ey?

00:10:43: Also, er hat recht.

00:10:45: Alkohol ist jetzt nicht gut und will man nicht gut heißen.

00:10:48: Aber klar, wenn man ab und zu ein Bierchen trinkt oder einen Wein, finde ich jetzt nicht verwerflich.

00:10:53: Ist in Ordnung.

00:10:55: So ein gutes Bier schmeckt ja auch!

00:10:56: Bei den

00:11:00: Kutschern unterscheiden

00:11:01: wir uns das Beste raus.

00:11:05: Viele sagen ja, die Leute kennen ihre Rechte aber nicht ihre Pflichten.

00:11:10: Und da war das halt so, dass ich wirklich keine Deutschen dort gesehen habe.

00:11:14: und dann hab' ich gesagt wenn ich jetzt in die Therapie gehe... Das war erst mal auch für mich sehr ein langer Weg bis dahin.

00:11:20: und da hab' Ich gedacht nur Türken oder nur Ausländer.

00:11:25: Da bin ich da reingegangen.

00:11:25: Ich war der einzige Auslender.

00:11:27: Da waren wirklich alles deutsche!

00:11:29: Dann hab ich gesagt wie kann das denn sein?

00:11:32: Ja, wir haben wenigstens noch ein bisschen Schamgefühl.

00:11:34: Wir machen das heimlich und wir machen das halt alles online oder wir schicken irgendjemand anderen da rein der dann halt unsere Wettkarte auflädt.

00:11:41: Und die anderen von meinen Ländern oder Kultur oder was auch immer, die standen halt ganz gemütlich mit dem Kaffee in den Hand, mit der Zigarette Und mit dem Wetschein und Sassendauen haben da ihren Tag genossen.

00:11:55: Ja, ich finde das so gut dass du so offen darüber redest weil ich finde wirklich auch ein bisschen die Realität die wir hier im Telefon mitbekommen.

00:12:03: Gleichzeitig ist es schade dass das untergeht.

00:12:05: Das Hilfesystem ist ja einfach da und was ich gerne noch zusammen fassen wollte ist es wird ja so deutlich wie wichtig Leistung ist und gleichzeitig aber wenn Probleme da sind Ja, das stehen dann im Konflikt zu diesem Leistungsbedürfnis.

00:12:23: Genau!

00:12:26: Bei uns wurde halt immer, sag ich mal, gute Themen besprochen.

00:12:30: Natürlich hervorgehoben natürlich auch überall präsentiert.

00:12:35: Also klar sind die Eltern an Scholz wenn ein Kind Ärztin ist oder Lehrer und ich habe auch irgendwann bei Maidan Bank gearbeitet Aber meine Mutter war auch so glücklich, dass ich bei der Bank arbeite.

00:12:49: Das ist ja meistens so wenn man bei der bank arbeitet dann macht man das so als hätte man die bank aufgestellt Aber das ist ja nicht so.

00:12:57: Man macht einfach einen Mitarbeiter von zig Millionen Leuten dort, aber trotzdem ist es ein schönes Gefühl auch von den Eltern gesehen zu werden, anerkannt zu werden.

00:13:06: und für mich war's halt wirklich schwierig weil meine beiden Schwestern sind halt wirklich super schlau und auch super fleißig diszipliniert bis zum geht nicht mehr.

00:13:13: Ja und ich war halt derjenige der immer gesagt hat, ich werd Fußballprofi mach dir mal, liste mal eure Bücher.

00:13:18: Ich hab' wirklich selber früher...ich kann mich nur an einem Buch erinnern was ich gelesen habe Das war Alf Also die Schulbücher, die ich dann halt mitbekommen habe damals.

00:13:28: Ja klar, die hast du gelesen.

00:13:29: aber jetzt so aus freiwilliger Basis hab' ich das nicht gemacht.

00:13:34: weil bei mir war klar, ich bekam nach der Schule nach Hause und genau vor der Tür noch nicht mal fünf Meter entfernt war ein Fußballplatz, einen Kunstrasenplatz und da waren halt alle meine Freunde und wir haben da gespielt bis der Platz dort seinen Schäferhund auf den Platz gejagt hat damit wir halt runtergehen.

00:13:49: Und dann waren wir zu Hause, wenn es dunkel wurde und das war mein Alltag.

00:13:52: Das war immer Standard.

00:13:54: Was ich damals auch gemacht habe in der Grundschulzeit ... Wir sind mit meinen Schwestern immer in die Koran-Schule gegangen.

00:14:01: Nach der Grundschule sind wir gemeinsam mit den Fachrädern da hingefahren.

00:14:04: War eine sehr hilfreiche, lehrreiche Zeit.

00:14:07: Ich bin froh, dass ich diese Zeit mitgenommen hab.

00:14:10: Habt auch viel gelernt.

00:14:13: Man hat seinen durchgetakteten ... Alltag gehabt.

00:14:18: Und danach war man an einem Fußballplatz, man war wirklich irgendwie gefühlt nur zum Schlafen zu Hause und aber klar natürlich sollte das ja auf alles irgendwas worauf hinaus laufen.

00:14:27: Man hat einen Ziel, ja man hat ein Weg, aber das Ziel war halt immer klar.

00:14:32: Du musst halt erfolgreich sein egal wie.

00:14:45: Welche Rolle spielt Geld so in der Kultur oder in deiner Familie?

00:14:49: Ich würde es gar nicht so generalisieren.

00:14:53: Das habe ich tatsächlich immer bei unseren Sommerferien in der Türkei gemerkt.

00:14:57: Also die Leute, die sozusagen aus Deutschland dorthin gereist sind haben dann immer Geschenke mitgenommen.

00:15:02: Man hat dann immer gezeigt hey Ich bin wer?

00:15:06: Ich hab es geschafft.

00:15:06: oder zum Beispiel das war halt auch immer so in der türkais Die älteren Herren haben dann die teuersten Zigarettenmark gekauft.

00:15:14: Ich weiß gar nicht, was das da war damals.

00:15:15: Also ich rauch hier Davidorf und Marlboro Camel und halt sowas.

00:15:20: Und dann hat man dann Zichtstangen mitgenommen, hat man dort verteilt um zu zeigen hey...

00:15:27: Was ist der Startesymbol?

00:15:28: Genau wir haben es geschafft!

00:15:30: Wir sind also so als wäre man der König von Deutschland, was man ja nicht war.

00:15:35: aber man wollte halt darzeigen.

00:15:37: und das Problem tatsächlich war dann halt wenn du halt ein gewisses Bild von dir aufbauen lässt.

00:15:45: Die Leute erwarten das halt immer, dann kommen halt die Anfragen, hey kannst du mir mal so viel Geld leihen?

00:15:49: Wir haben hier Probleme wir müssen das bezahlen, kannst uns hier unterstützen, kannst da unterstützen.

00:15:55: ja vielleicht macht man das mal ein zwei drei Mal.

00:15:58: also ich kann es nur von hören sagen und dann hört man das.

00:16:02: Man sagt ja auch, wenn du jemanden nicht mehr sehen willst dann leid den Geld.

00:16:07: Dann kam halt immer die Konflikte zwischen den Familien und früher war das wirklich so dass immer an Wochenenden Leute zu uns zu Besuch kamen.

00:16:18: Die sind dann über das Wochenende geblieben.

00:16:19: Das war so standard also jetzt unvorstellbar Und es war früher so, dass dann halt die Leute auch zum Beispiel aus Frankfurt kamen.

00:16:27: Die dann auch bei uns einfach eine Woche da waren was ja auch schön war.

00:16:30: Die ganze Familie war da und man hat auch nie gesagt gehen wir nach Hause.

00:16:33: Wir haben hier noch andere Sachen zu tun sondern man hat das genossen.

00:16:37: aber jetzt mittlerweile ist es dann halt so.

00:16:38: dann keiner will mehr.

00:16:40: Früher hatte man eher darüber gesprochen so ein bisschen Wahrheits Orientierter als jetzt, weil jetzt ist es ja nach außen hin.

00:16:48: Jeder tut so als wäre der Bürgermeister von einer Stadt.

00:16:52: aber letztendlich ist das ja nicht so und keiner will mehr dass man zu Hause den besucht.

00:17:00: Wenn man zum Beispiel nachfragt, können wir euch besuchen?

00:17:02: Wir haben euch vermisst oder sonst was.

00:17:03: Dann ist meistens eher ein Nein.

00:17:05: Weil keiner will z.B.

00:17:06: seine Wohnung präsentieren und sein Haus präsentinieren.

00:17:08: Oder die ... Man läuft Gefahr, dass vielleicht einer in der Familie dann irgendwas verplappert hat.

00:17:13: Da muss man den Leuten sagen hey sag das nicht, sag das nich.

00:17:16: Zum Beispiel auch schon allein diesen Podcast, den ich hier gerade aufnehme.

00:17:21: Ich weiß, dass das auch nicht von jedem in meiner Familie gern gesehen ist oder gern gehört wird.

00:17:25: dann Aber für mich ist es wichtig Egal ob man was Gutes macht oder Schlechtes macht, alles hat seinen Sinn.

00:17:32: Und in dem Moment hat man ja so gehandelt nicht weil man was Böses wollte sondern weil man es nicht anders wusste oder weil man irgendeine Krankheit versteckte.

00:17:40: und ich bin halt jemand der sagt immer das was er denkt und ich sage ich stehe halt auch zu dem was ich gemacht habe und ich will halt auch damit zeigen hey Leute bleibt lieber bei der Wahrheit da damit fahrt ihr viel viel besser.

00:17:53: und alles andere.

00:17:55: das macht bei euch nichts zum besseren Menschen im Gegenteil sogar Ja,

00:17:59: und du sagst es eben auch schon.

00:18:02: Du hast ja auch nur das gemacht was du so kennengelernt hast und teilweise vielleicht heute anders machen würdest.

00:18:09: aber wie war das denn für dich?

00:18:11: Das Thema Spielen?

00:18:13: also Wie wurde das in deinem Umfeld vorgelebt oder wie hast du das miterlebt?

00:18:20: Vielleicht auch von weiß ich nicht.

00:18:22: Also ich habe zum Beispiel Als ich jünger war, waren wir dann auch zum Beispiel... Mein Vater hatte früher mehrere Tee-Stuben in Kamlinfort.

00:18:31: Also das sind so eine Art türkische Kneipe wo die älteren Herren sich treffen und spielen jeder Karten, trinken Tee, gucken Fußball.

00:18:41: Und nach und nach stand da halt auch ein paar Automaten.

00:18:45: Damit habe ich mich nie so beschäftigt.

00:18:46: man hat das immer blinken gesehen.

00:18:47: aber wenn ich heute fragen würde was war das für ein Automat oder eher Karten?

00:18:54: Es gibt ja mittlerweile diese Book of Raw und diese ganzen Sachen.

00:18:58: Das weiß ich tatsächlich gar nicht, aber dann habe ich auch ab und zu mein Vater da besucht und dann sieht man die Leute... das war damals Standard, dass man da geraucht hat, Karten gespielt hat Dann zum Beispiel der Verlierer hat dann den Deckel gezahlt und so.

00:19:14: Das war halt so Standard einfach irgendwo, selbst wenn man nicht Geld gewinnen kann.

00:19:20: aber trotzdem muss man ja Geld investieren weil wenn man die komplette Runde bezahlen muss

00:19:24: z.B.,

00:19:24: da wurde ein Sujuktros gemacht oder eine Pizza bestellt Und die Verlierertruppe hat das dann bezahlt, das habe ich dann immer so mitbekommen.

00:19:33: Mein Vater hat dann auch immer die T-Stumme verkauft und neu gekauft, so weiter.

00:19:38: Dann war das halt immer so Standard, dass da irgendwo Karten waren oder blinkende Automaten

00:19:42: usw.,

00:19:42: aber ich will tatsächlich gar nicht davon abhängig machen oder dazu hinleiten, dass das davon kam.

00:19:49: Ich denke nicht, also bin mir ziemlich sicher nicht, aber vielleicht ist die Schamgrenze dadurch gesunken.

00:19:56: Das könnte halt auch sein.

00:19:58: Bei mir kam es ja irgendwann mal später als dann die Wettboden aufgemacht haben.

00:20:03: Erst mal kam ja OZ und danach bei OZ war es so, dass man halt vier Spiele in der ganzen Woche hatte.

00:20:08: Man hatte nicht viel Auswahl und dann kam irgendwann die anderen Anbieter dazu.

00:20:13: Aber würdest du sagen, dass diese Cafés auch einfach ein sozialer Treffpunkt waren?

00:20:17: Genau!

00:20:17: Also

00:20:17: ist gar nicht mit dem Schwerpunkt, wieviel da verzockt wurde oder ob die Leute da spielsichtig waren sondern eher das war... Willst du zusammenkommen?

00:20:28: Ja, das war früher.

00:20:29: Früher war das ja ganz anders.

00:20:30: Heutzutage ist das Gott sei Dank noch mehr multikulturell.

00:20:33: also zum Beispiel ich liebe es wenn auch mein Tochter die jetzt im Kindergarten sind alle Nationen.

00:20:39: das finde ich tausendmal besser als wenn sie nur mit einer Nation ist.

00:20:44: Es geht nicht darum nicht nur Deutsch oder nicht nur Türkisch sondern dieses Multikulti.

00:20:49: man kann sehr viel erlernen und ich finde z.B.

00:20:52: auch aus jeder Religion von jeder Kultur Heißt ja nicht, dass das eine besser oder das andere schlechter ist.

00:20:58: Weil ich finde, das gehört alles zusammen und das sollte man auch alles berücksichtigen.

00:21:04: Und damals war es halt so... Es gibt ne türkische Kneipe, es gibt ne albanische Kneippe, es gab ne marokkanische Kneipel.

00:21:09: Jeder war für sich dann auch mit Sicherheit in den deutschen Kneipeln.

00:21:13: Also heisst ja nicht ,dass die anderen sich vielleicht nicht leiden konnten oder so aber das war halt Standard auch von der Sprache her.

00:21:20: Also sie konnten ja nicht das, was sie loswerden wollten weil früher konnte ja nicht jeder Deutsch wie jetzt.

00:21:25: also wenn ich hatte mal kann ich auch mal kurz erzählen?

00:21:28: Ich habe mal in Duisburg gearbeitet dann war ich da im Mittagessen und dann war er am Telefonieren und ich bin hier aufgewachsen.

00:21:34: Ich hab mich mit Kommunikationspsychologie und so alles weitergebildet.

00:21:38: Ich werde es jetzt auch aktuell für Kommunikation bezahlt, auch immer im Beruf.

00:21:42: Und dann hat ein älteres Ehepaar mich ganz lang angeschaut.

00:21:44: Ich dachte, ich habe irgendwie Schokolade im Gesicht Und dann nach dem Telefonat meint ihr, sie können aber sehr gut Deutsch sprechen.

00:21:51: Dann hab ich ja schon seit über dreißig Jahren geboren, weil er traurig wär nicht.

00:21:57: Ja, Alltagsrassismus!

00:22:04: Aber dafür hat mich auch sehr viel geprägt.

00:22:07: Das hat mich begleitet mein Leben lang, ich habe zum Beispiel Fachabitur gemacht und danach habe ich mich um eine Ausbildungstelle beworben.

00:22:13: Ich habe wirklich sage-und schreibe hundert Bewerber, ich hab da ja auch gezählt ne?

00:22:16: Hundert Beverbungen geschrieben.

00:22:18: Ich wollte unbedingt Bürokaufmann werden.

00:22:20: Unbedingt!

00:22:21: Ich hatte irgendwie immer dieses Verlangen danach Und dann hat mich eine einzige Person eingeladen für diese Stelle und der Herr war tatsächlich in Türken.

00:22:30: Also kurios, kurios.

00:22:33: Und die Firma ... Darf ich die Firma sagen?

00:22:36: Da weiß ich gar nicht.

00:22:37: Vielleicht ließ er nix.

00:22:38: Aber das

00:22:40: Unternehmen was ist damit?

00:22:41: Ja also die haben dann ... da fand ich das so super und ich bin den Leuten auch heute noch unendlich dankbar weil hätte ich diese Ausbildung nicht dann wäre mit Sicherheit irgendwie so ein Mindestlohn Arbeiter geworden.

00:22:53: Das wär dann halt auch traurig gewesen.

00:22:55: ja absolut

00:22:56: Ja,

00:22:58: da habe ich ein bisschen Glück.

00:22:59: Ich bin undercover unterwegs und hab ja russische Wurzeln.

00:23:03: Okay bei Russen Polen kann man nicht immer so direkt feststellen.

00:23:08: Es sei denn wenn ihr das ehr rollt dann merkt man das.

00:23:13: Aber manchmal wenn ich dann mein Name nenne, Tatjana, dann fragen Leute auch schon mal nach und dann höre ich auch sowas wie aber sie sprechen so teil gut.

00:23:23: Aber auch hier in die ... Ja, okay.

00:23:29: Also zum Beispiel jetzt auch in diesen ganzen T-Stuben damals oder im Nachhinein dann in den Wettboden.

00:23:34: so Anfangs war es wirklich nur so.

00:23:36: aber wie gesagt ich weiß jetzt nicht, wie aktuell der Stand in diesem Boden aussieht.

00:23:40: Aber wo man die Deutschen gesehen hat das war halt immer in diesen Glücksspielautomaten.

00:23:48: da war's dann größtenteils wirklich so fifty-fifty.

00:23:52: Da haben die Leute sich getroffen.

00:23:56: Das war ja auch so, hab ich sogar in eurem Podcast gehört mit der Dame und dem Herren.

00:24:02: Genau da haben sie erzählt, dass die eine Wohlfühlatmosphäre schaffen sollten.

00:24:08: Und dafür haben diese Leute sich wohlgefühlt für die zum Beispiel keine Partnerin hatten wenn die mal mit einer Dame sprechen.

00:24:14: Zum Beispiel an den anderen Wettboden war es nicht so.

00:24:17: das ist dann meistens her gewesen.

00:24:19: Ich find halt in diesen Glücksspielautomaten, da waren ja dann immer weibliche Mitarbeiterinnen.

00:24:25: Und dann sind die Herren dann halt dahin gegangen um einfach dieses Gefühl zu haben ich rede mal mit einer weiblichen Person um ihr selbstwert vielleicht zu stärken oder einfach nähe von Menschen zu spüren und dafür haben die dann bezahlt.

00:24:39: Ja, guter Punkt.

00:24:40: Ich fand den Podcast auch mit dem Daniel und mit den anderen beiden auch fand ich super also sehr, sehr gut gemacht.

00:24:48: Ja, vielen Dank.

00:24:50: Gerne gerne.

00:24:51: Ich

00:24:51: gehe mal weiter.

00:24:52: Ja, gerne gerne.

00:24:54: Genau um den Bogen noch einmal rund zu machen.

00:24:56: bei dir geht es aber um welche Spielsucht später?

00:25:01: Fußballwetten.

00:25:02: Welche

00:25:02: Spielart?

00:25:03: Fußball, Fußballwette.

00:25:05: Weil ich habe mir gedacht wenn ich kein Fußballprofi werde dann zeige ich's mal der Welt dass ich doch ein Fußballprofi bin

00:25:11: mit

00:25:11: der Expertise quasi

00:25:12: ja

00:25:13: das kam anders.

00:25:20: gibt es noch irgendetwas was du zu deiner Vergangenheit, Herkunft, Familiengeschichte ergänzten würdest?

00:25:27: Das wäre

00:25:28: noch wichtig zu wissen.

00:25:29: Was mir damals wirklich schwer gefallen ist dadurch dass ich ja auch hier aufgewachsen bin.

00:25:34: also klar ich kann türkisch, ich kann auch türkische sprechen verstehen.

00:25:37: alles schön und gut.

00:25:38: aber man hat immer bei mir rausgehört das ich aus Deutschland komme zum Beispiel in Türkei.

00:25:43: mein Türkisch war damals sehr gebrochen.

00:25:45: Also ich habe auch wirklich nicht alles verstanden als ich im Urlaub war.

00:25:48: dann hab ich nach und nach gelernt habe ich mir gedacht, wenn auch bevor meine Tochter auf die Welt kam, hab' ich mir dann extra türkische Serien angeschaut um mein Türkisch noch mehr zu verbessern.

00:25:57: Und auch durch meine Ausbildungsstelle.

00:25:59: Thema Leistung wieder?

00:26:00: Genau und jetzt hier mit meiner Ausbildungstelle.

00:26:04: Da hat der Mann auch direkt gesagt du kannst gar kein Türkisch!

00:26:06: Ich hab gesagt ich kann's, ich verstehe alles was du für mich sagst aber ich kann nicht jedes Wort.

00:26:11: zum Beispiel in Deutsch kann ich jedes Wort beschreiben was jedes Wort aussagt also was das bei dem anderen ausmacht hin und her.

00:26:18: Aber da konnte ich es halt nicht.

00:26:19: Und da war ich auch.

00:26:20: trotzdem, bin ich auch sehr froh diese Ausbildungstelle gewählt zu haben weil er meinte mein Deutsch ist nicht so gut und dein Türkisch ist nicht nur gut wir helfen uns gegenseitig.

00:26:28: Ja perfekt!

00:26:29: Da habe ich in den zwei Jahren wo ich die Ausbildung gemacht hab, habe ich dann wirklich sehr gut türkisch gelernt.

00:26:35: Für mich ist das wichtig wenn jemand von zwei Nationen kommt zum Beispiel und dass sie beide Sprachen beherrschen.

00:26:43: Also ja klar, mittlerweile mit GGBT-Übersetzer.

00:26:46: Man braucht das eigentlich nicht mehr, weil man kann es einfach reinsprechen und der andere versteht das auch.

00:26:50: Aber trotzdem so mehrere Sprachen hatten mir dann im Nachhinein ... Das bringt ja auch schon was.

00:26:55: Dann hat man einen anderen Horizont und eine andere Möglichkeit Sachen zu erlernen oder

00:27:00: so.

00:27:00: Ja absolut, spielestens in Reisen, finde ich merkt man das ja dann doch.

00:27:05: Genau!

00:27:05: Und was halt für mich immer anfangs wichtig war... Ich hatte halt immer was heißt Wichtig?

00:27:11: Auf einer Art

00:27:12: Gut?!

00:27:12: Aber auf eine Art auch schlecht, deswegen haben wir damals mit der Mama meiner Tochter gesagt.

00:27:21: Wir konzentrieren uns auf unsere Tochter und geben mir sehr viel Liebe und dieses Gefühl, dass sie für uns ein Mal eins ist.

00:27:28: Und dann haben wir aber auch klar gefragt, sollen wir noch ein zweites Kind auf die Welt setzen?

00:27:34: Oder weil wir zum Beispiel ... Ich kann jetzt von meiner Kindheit sprechen.

00:27:39: Auf einer hat Wettkampfgedanke es gut, aber auf eine Art ist es auch schwierig.

00:27:42: dann wenn die anderen jetzt zum Beispiel Superhero sind und man selber in dem Moment vielleicht noch nicht so ein Superhero ob man an diesem Druck kaputt geht.

00:27:53: So will ich das auch tatsächlich sagen.

00:27:56: Das hat auf jeden Fall nicht mit damit zu tun.

00:27:58: Wenn die Superheroes sind der Superhero ist ja gut!

00:28:00: Aber man macht sich selber den Druck und sagt hey guck mal Du kannst ja nicht sein, dass dir ein schon jetzt passt einem Ziel sind und du bist noch nicht mehr losgelaufen oder bist sogar noch hinter der Startdiener.

00:28:09: Und dann setzt ihr dir den Druck.

00:28:10: Dann holst du dir die Anerkennung Liebe dieses Selbstwertgefühl und diese Einfahrt, das die Leute sagen wow willst du dir anders holen?

00:28:20: So kam das Ganze.

00:28:22: Das würdest du deiner Tochter gerne anders mitgeben?

00:28:24: Genau!

00:28:26: Sie sagten zum Beispiel auch gestern Abend als wir es schlafen haben gesehen.

00:28:30: Dann sagt sie, Papa du sagst mir immer, dass du mich liebst.

00:28:32: Ich weiß das!

00:28:36: Einfach so bedingungslos?

00:28:38: Ja ich sage dir immer Malier du bist die stärkste Tochter der Welt Du bist die schönste, glückste und wunderschönste.

00:28:44: Und dann zeigt sie mir ein Bild zum Beispiel und sagt ja Papa das ist hier nur Krikkelkrackl.

00:28:50: Da sage ich, das ist ein tolles Krickl-Krackl Ich liebe Kricklkrackle Und äh...dann ist die glücklich.

00:28:55: Ne und dann hängen wir auch die Krickerckl Bilder im Wohnzimmer auf und dann sagt sie wow das hängt ja da Also ist es gut.

00:29:03: Ja, ich versuch das schon aufzupassen, dass sie nicht zu diesem ...

00:29:07: Diese Leistungsdruck, dass das nicht so toll mitgeht?

00:29:12: Genau.

00:29:13: Ich war bis vor kurzem auch Fußballtrainer.

00:29:14: dann hab' ich hier auch mitgenommen, hab' hier auch Fußballschuhe gekauft, dass ihr dann auch da mitspielen darf.

00:29:18: und dann hat's gesagt ja Baba, ich mag kein Fußball, ne?

00:29:21: Dann habe ich das alles gut.

00:29:22: aber dann haben wir wenigstens die Fußballschuh als Erinnerung.

00:29:24: An

00:29:25: das Event!

00:29:27: Der

00:29:29: Tag, an dem ich mit Papa bei der Fußball war.

00:29:32: Ich hab auch Fotos.

00:29:34: Und meine Tochter hat das erste Mal auf Gene erlernt im Fußballplatz und davon habe ich noch ein Foto.

00:29:43: Weil am Kunstrasen wenn ihr da fällt tut nicht weh.

00:29:49: Aber dieser Leistungsdruck den habe ich tatsächlich schon gespürt Und der war halt schon immens.

00:29:54: Ja, das klingt auch

00:29:55: so

00:29:55: ja.

00:29:55: Ja und er halte auch bei MSV Duisburg da heißt es halt Leute gehabt ihr dann auch einen Profi-Vertrag damals bekommen.

00:30:00: MSV Duesburg ist jetzt aktuell in der dritten Liga.

00:30:03: Damals waren sie in der ersten Liga Da haben die auch ein DFB-Pokal geboren.

00:30:07: Dann haben die ja auch ein Europapokal mitgespielt und sowas.

00:30:11: Da war schon MSV duisburg schon eine Nummer und da bin ich stolz.

00:30:14: Ich habe glaub ich jeden Tag mal den MSV-Duesburg Anzug in der Schule angehabt um zu zeigen Hey!

00:30:18: Ich bin gerade kurz vor dem Sprung Profi zu werden.

00:30:21: Ja, aber dann wenn du runtergehst, hast du den Anzug von der anderen.

00:30:25: Nicht mehr angezogen!

00:30:28: Weil er gesagt hat, okay... ...dann ist das nicht die Schiene.

00:30:31: Dann werde ich halt anders prominent oder berühmt oder keine Ahnung.

00:30:36: Aber auf jeden Fall musstest du irgendwas werden?

00:30:38: Irgendwas muss ich werden.

00:30:39: Ganz

00:30:39: großes.

00:30:40: Ich kann noch eine Geschichte sagen, auch wichtig und lustig.

00:30:46: Der SDS gibt es ja schon lange.

00:30:47: Und ich wollte irgendwie berühmt werden Um auch reich zu werden.

00:30:51: Aber ich war nicht da, Gott sei Dank!

00:30:53: Ich hab dein Zuhause gesungen und immer mit Kopfhörer an und ich dachte wirklich... ich kann super singen, ne?

00:30:57: Ich habe dir wirklich dieses Gefühl, du hast echt eine tolle Stimme, also beim Reden alles schön und gut aber singe ist ja immer was anderes.

00:31:04: oder hat meine ältere Schwester gesagt Ali, tu mir eingefallen und unsere Familie bitte, bitte nimm dich auf Nimm dich auf und hör dir das an.

00:31:14: Dann habe ich mir extra so ein Aufnahmegerät gekauft, hab das gemacht.

00:31:17: Das war halt so grausam, danach habe ich nie wieder gesungen!

00:31:21: Aber ich hoffe trotzdem

00:31:24: für dich... Ja, für meine Tochter singe ich immer noch abends Schlaflieder.

00:31:29: Und das geht dann?

00:31:30: Ich weiß nicht ob sie dann einschlägt wegen der guten Stimme oder ob sie das jetzt nicht mehr geben kann.

00:31:39: Sie tut so,

00:31:40: als würde sie schlafen.

00:31:42: Damit ich auch

00:31:45: höre.

00:31:47: Genau.

00:31:47: Aber es kommt schon sehr durch, dass du dieses Leistungsthema schon früh mitbekommen hast.

00:31:52: Viel ausprobiert hast dich da... Ich meine das ist ja auch schön, dass so verschiedene Dinge dir zugetraut und die Dinge gemacht hast.

00:31:59: aber natürlich verstehe ich, dass das immer sehr anstrengend mit sehr viel Druck und irgendwie dieser Präsenz nach außen, selbst wenn etwas scheitert sag' ich mal Wie bist du damit umgegangen?

00:32:12: Hast du das dann für dich behalten?

00:32:13: oder wie wurde das kommuniziert, wenn etwas nicht geklappt hat?

00:32:18: also in der Familie?

00:32:21: Also bei mir war zum Beispiel ich wollte nach der zehnten Klasse aufhören.

00:32:23: Meine Noten waren an sich ganz gut.

00:32:25: Ich war eigentlich ein fleißiger Bub in der Schule habe immer aufgepasst und hab mir gedacht, ich passe in die Schule auf da muss ich nach der Schule nicht lernen.

00:32:33: Das war mein... Mein Plan.

00:32:35: Ich hab gesagt, lasst mich alle in Ruhe und bitte nicht ablenken.

00:32:39: Pass hier auf, dann muss ich nicht lernen so ... Dann wollte ich nach der zehnten Ausbildung starten im Einzelhandel.

00:32:46: Fand ich cool!

00:32:47: Ich habe auch neben der Schule einen Kaufladen.

00:32:54: Hab ich drei Tage gearbeitet, heimlich, dass mein Vater das nicht mitbekommt.

00:32:58: Mein Vater hat das nicht gewollt.

00:33:01: Er will unbedingt, dass wir alle drei Abitur machen Und dann hat er das mitbekommen, dann durfte ich da nicht mehr arbeiten.

00:33:06: So, dann war ich auch sehr traurig weil ich wollte halt immer in die Praxis rein.

00:33:09: Richtig ans Arbeiten.

00:33:12: Genau,

00:33:12: ich wollte einfach

00:33:13: anpacken.

00:33:14: Ich hab gesagt okay, die Bücher alles gut und ja machen wir uns nichts vor.

00:33:18: also Schule ist wichtig definitiv auf jeden Fall alle weiter lernen und alles machen.

00:33:23: aber es ist halt die Frage wie viel kann ich denn davon fürs wahre Leben nutzen?

00:33:27: Ich bin ja auch nebenbei bin ich auch Zukunftstagmanager.

00:33:30: Ich reise dann so durch Deutschland an Schulen, die dann zum Beispiel die zähnte, elfte, zwölfte, dreizehntelklasse.

00:33:37: Die dann Richtung Studium und Uni gehen.

00:33:39: Dann machen wir Crashkurse in Steuern, Finanzen, Krankenkassen oder Immobilien weil es ist ja wichtig wie zum Beispiel jetzt die erste eigene Wohnung.

00:33:45: was kommt auf mich zu?

00:33:46: Und halt sowas unterstützt sich und solche Kurse sollte man auch in der Schule eigentlich haben.

00:33:52: Weil man weiß wirklich nicht was auf einen zukommt.

00:33:54: So ganz praktische Dinge einfach

00:33:56: genau

00:33:57: da wollte ich doch rein

00:33:59: Also

00:33:59: in die Praxis.

00:33:59: Genau, ich wollte unbedingt in der Praxis und durfte nicht.

00:34:03: Ich wollte nach der Szene Klasse aufhören, dann hat mein Vater gesagt, nein, auf gar keinen Fall!

00:34:06: Du machst dein Abitur.

00:34:08: Und dann habe ich ja auch hin- und wieder mal geschwänzt weil ich hatte einfach kein Lust da drauf.

00:34:15: Weil ich wollte einfach was tun.

00:34:18: So, dann hab ich gekommen und ein Schwänzig oder dann hat meinen Vater wie der Zufall ist Will beim Bäcker meine Lehrer gesehen und ich hab dann halt irgendwie so eine Fußballausrede gehabt Und dann habe ich zu Hause einiges zu hören bekommen.

00:34:31: Dann habe ich natürlich nicht mehr geschwänzt, ja mit Mühe und Not mein Fachabitur gemacht wirklich mit Mühen und Not.

00:34:37: Ich hab gesagt Papa ich kann nicht mehr, bitte ich will was machen.

00:34:41: Ich will ins Arbeiten gehen und ich brauche das.

00:34:45: Ich habe mich nicht wohl gefühlt jetzt nur in der Schule zocken weil irgendwann sage ich mir irgendwann ist genug so meine Schwestern zum Beispiel waren nicht so die sind direkt von ihr nachdem ihren ... bravouröse Abitur gemacht haben, die hat direkt in die Uni rein.

00:35:00: Und ich wollte direkt ins Arbeitswelt rein!

00:35:03: Weil ich habe gemerkt... Ich wusste immer dass das eher meins ist.

00:35:07: und zum Beispiel auch jetzt wenn ich diese Sachen erlerne klar braucht man auch Bücher oder Handouts oder Sachen.

00:35:13: Das ist auf jeden Fall sehr wichtig oder richtig.

00:35:17: aber dann ist es halt ein anderes Tempo und dann weiß ich okay zack-zack-Zack hast du gelernt kannst du umsetzen?

00:35:22: Ich war ja auch in anderen Unternehmen auch Schulungsleiter und bringe auch anderen Leuten auf was bei.

00:35:26: Ich bin ja auch Ausbilder, jetzt aktuell in der Automobilbranche und Projektleiter und da vermittle ich auch jungen Leuten ihr müsst lernen oder nicht müsst ihr sollt lernen.

00:35:36: also die eigene Motivation sollte schon vorhanden sein.

00:35:40: aber halt das was du halt auch willst und zum Beispiel mit dem Abitur, abitur ist wichtig aber nur für die Leute die dann halt Richtung Studium gehen weil wenn Klar, man weiß ja nie.

00:35:52: Vielleicht hat man jetzt keinen Lust zum Studieren vielleicht irgendwann mal dann fehlt das wichtig.

00:35:56: aber ich hatte immer so dieses Ja komm du musst jetzt weil deine Schwestern das machen so.

00:36:01: dass ist dann wo ich mir dachte Komm lass mich mal bitte jetzt damit in Ruhe und lassen wir einfach arbeiten.

00:36:06: Ich will Geld verdienen ich will was reißen ich will etwas bewegen ich brauche dann halt den Erfolg direkt.

00:36:11: also dieser Wettkampfgedanke z.B wie die Schweistern abends Was hast du geleistet, was hast du geschafft?

00:36:19: Das wollte ich spüren.

00:36:20: Das hatte sich dann früh in mir.

00:36:23: Aber es war auch wieder ein Kampf, weil deine Eltern sich das anders vorgestellt haben?

00:36:27: Es war halt keine Option!

00:36:30: Ich hatte die Option nicht... Wenn du hier lebst, gelten diese Regeln.

00:36:39: Okay.

00:36:40: Ich weiß auch, dass mein Vater das immer gut meinte.

00:36:42: Er wollte immer das Bestmögliche für uns ... er hat auch gesagt ich will nicht, dass du irgendwann im Bergbau arbeitest und dann irgendwie da ... Deine Lunge verdreckt und sonst was.

00:36:51: Meine Mama hat immer gesagt, wenn du jetzt in der Schule aufpasst ... Wenn du mit den Köpfchen arbeitest, wirst du dich nie dreckig machen müssen.

00:37:00: Dein Körper wird nicht kaputt werden.

00:37:02: Du arbeitst immer in guten, warmen Räumen.

00:37:04: Aber wenn du nicht mit dem Kopf arbeit, musst du mit dem Körper arbeiten.

00:37:08: Dann wirst dann halt nicht lange arbeiten.

00:37:10: Weil du schnell Bandscheibenvorfall hast oder so.

00:37:13: Oder bist ein bisschen der Kälte hier.

00:37:16: Da hatte sie auch recht.

00:37:18: Papa wollte, dass wir irgendwann eine Familie gründen.

00:37:21: Dass wir dann nicht so leben wie er.

00:37:24: Ein

00:37:25: leichteres Leben.

00:37:27: Deswegen kann ich das verstehen?

00:37:28: Ja total!

00:37:29: Und die kannten es dann halt auch nicht anders, ne?

00:37:31: Die kannten's halt nicht anders.

00:37:32: Jetzt mittlerweile ... Also ich würd zum Beispiel meiner Tochter nicht Druck machen, du musst das!

00:37:38: Sondern wenn du's machst, machst du's und klar.

00:37:40: natürlich werde ich ihr sagen, dass und das könnten die Konsequenzen sein Wenn du sagst okay du gehst diesen Weg, dann gehst du den Weg weil der beste Lehrer im Leben ist der größte Fehler

00:37:50: Das stimmt.

00:37:51: daraus lernt man bekanntlich sehr viel.

00:37:53: Ja auf jeden Fall

00:38:00: Ja, und falls ihr jetzt gemerkt habt ... Boah!

00:38:03: Da kommt mir einiges bekannt vor.

00:38:04: Vielleicht soll ich auch mit jemandem darüber reden?

00:38:07: Dann meldet euch bei uns unter ... Ruft gerne an.

00:38:20: Ich denke, wir würden für jetzt mit Ali die Folge beenden und in der nächsten Folge hört ihr dann etwas über seine Autobiografie, die er zu dem Thema Spielsucht geschrieben hat.

00:38:34: Vielen Dank, dass ihr dabei wart und euch die Zeit genommen habt!

00:38:37: Und ich freue mich, euch in der nächste Folge wiederzusehen und wieder zu hören!

00:38:41: Erst mal hören – noch ohne

00:38:43: Video!

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