Folge 4: Therapie, Verurteilung und Gefängnis
Shownotes
Folge 4: Therapie, Verurteilung und Gefängnis
Michael erzählt, wie die Sucht zunehmend sein Leben bestimmt: Verluste, Schulden und der Versuch, nach außen eine funktionierende Fassade aufrechtzuerhalten, führen ihn immer weiter in ein Doppelleben. Schließlich folgen Anklage und Inhaftierung.
In dieser Folge spricht er über eine der schwersten Zeiten seines Lebens – und darüber, warum sie für ihn im Rückblick auch zum entscheidenden Wendepunkt wurde.
Die nächste Folge erscheint am 01.10.
Warum dieser Podcast?
Glücksspielsucht betrifft nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Partner:innen, Familien und Freundeskreise.
Mit „Ausgezockt“ möchten wir:
- Betroffenen und Angehörigen eine Stimme geben,
- Verständnis für die Dynamik von Glücksspielabhängigkeit schaffen,
- über Risiken von Sportwetten aufklären und
- Wege in Beratung und Selbsthilfe sichtbar machen.
Der Podcast richtet sich an Betroffene, Angehörige sowie alle, die sich für Prävention und Aufklärung im Bereich Glücksspielsucht interessieren.
Hilfe & Beratung
- Informations- und Beratungsangebote: www.ausgezockt.de
- Kostenfreies Hilfetelefon Glücksspielsucht: 0800 077 66 11 (anonym und bundesweit)
Herausgeberin
Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW
Transkript anzeigen
00:00:46: Willkommen in Folge vier aus unserem Podcast ausgezockt, sucht umgefiltert.
00:00:50: Wir sprechen mit euch mit Betroffenen.
00:00:53: In der letzten Folge haben wir es schon mal ein bisschen angeschnitten.
00:00:57: Es geht jetzt vor allem darum zu schauen was waren denn die letzten Endes?
00:01:02: Die Konsequenzen vom Trading also auch im Sinne von rechtlichen Konse quenzen.
00:01:07: Michael hat ja schon gesagt das ging dann so ein bisschen in so eine Ja leicht illegale Richtung.
00:01:15: Er schlacht selber und aber natürlich würde mich auch interessieren, wie es dann familiär also in der Ehe weiter ging.
00:01:20: Es ist dann trotz Therapie etc.
00:01:24: pp weitergegen?
00:01:25: Ist das dann irgendwie ... Wann war der Moment wo es in der ehe klar war okay da läuft's irgendwie bei dir weiter?
00:01:33: wann kam die Entlarfung?
00:01:34: und ich habe viele Fragen.
00:01:37: starte gerne einfach
00:01:39: ja.
00:01:41: Für die Ehe war natürlich das große Problem, die Heimlichkeit.
00:01:43: Also ich habe sozusagen mit meiner Frau über dieses Thema ja immer nur dann gesprochen wenn ich irgendwie musste und musste heißt, wenn ich irgendwas gebraucht habe sozusagen.
00:01:53: Und sonst hab' ich wie bei allen anderen versucht so heimlich wie möglich zu machen und auch da die Fassade sozusagen aufrechtzuerhalten.
00:02:00: Du musst dir aber vorstellen... Wenn man jetzt so über diese Sucht oder über diese Dinge spricht in einem selber toben Kriege, die kann man nicht beschreiben und ich wünsche auch keinen.
00:02:09: Also die Gedanken, die du da den ganzen Tag hast ... Die Niederschläge tun wirklich weh, das ist kein... Man darf sich das nicht so vorstellen als, ja, da hab' ich von jemandem Geld genommen und dann habe ich mich ein ganzer Gut gefühlt und alles war toll, sondern du ... In dir gehen so viele Dinge vor und gerade wenn es schiefläuft sozusagen, ist es unerträglich natürlich!
00:02:29: Und da kommen alle Gedanken hoch und alle Schuldgefüle hoch.
00:02:34: Das heißt du fischst in dir einen permanenten Kampf aus, den du nach außen aber überhaupt nicht zeigen darfst oder nicht zeigen willst.
00:02:41: Und so habe ich das aber gelernt irgendwie zu tun aufrechtzuhalten und hab denn eigentlich alles was intern geschehen ist mit mir ausgemacht und... ...twanzig-einzwanzig war es dann soweit.
00:02:55: wir hatten eine neue Wohnung bezogen in zwanzig zwanziger und als es dann wieder der Zeitpunkt gekommen ist, dass auch die Wohnung quasi schon wieder in Gefahr geraten ist.
00:03:08: Musste ich mit ihr sprechen.
00:03:10: und das war dann der Zeitpunkt wo es nicht mehr ging und wo sie mit Recht gesagt hat jetzt kann das nicht mehr weil man muss ja wissen für den Außenstehenden kriegen wir nur die Einschläge mit und nicht das dazwischen Und du kannst nicht so leben was du immer auf dem nächsten Einschlag wartest und dass du immer Angst hast es könnte irgendwas sein und dann kommt's auch noch.
00:03:33: Das hat dann letzten Endes in den Zwanziger-Einzelnern zur Trennung geführt.
00:03:36: Nicht nur natürlich der Spiel ist aufgrund, es gibt ja auch immer Beziehungen andere Gründe die da eine Rolle spielen aber das war schon ein massiver Punkt und glaube ich am Ende auch der entscheidende Punkt.
00:03:46: und Dann hat sich sozusagen die eine weitere Angst von mir erfüllt weil ich natürlich auch immer Angst hatte könnte irgendwann passieren Und dass hat sich so einen Eingereit in die Liste der Verluste quasi die Irgendwann auch eingetreten sind Und da habe ich dann glaube ich letzt spätestens dann endgültig den Boden unter den Füßen auch verloren und wusste dann gar nicht mehr so richtig, was ich tue.
00:04:11: Und wie das ist?
00:04:12: Und hab natürlich an der Börse weitergemacht und hat dann im Jahr zwanzig-zweiundzwanzig, weil es gar keine andere Alternative mehr gab von Banken, habe ich nichts mehr bekommen sozusagen.
00:04:24: Da bist du wahrscheinlich auch irgendwann auf einer Liste die die einsehen können wo du einfach kein Geld mehr bekommst dass ich an private Bekannte ran treten musste und unterm Vorwand dann dort mir Geld geliehen habe.
00:04:38: Und das ist natürlich abartig auch ekelhaft, weil also wenn ich das heute sehe... Ich bin mein Handy-Adressbuch durchgegangen und hab geguckt welche Kontakte kann ich denn da anfragen?
00:04:49: Und ich habe ungefähr tausend Kontakte in meinem Handy drin und ich wusste vielleicht sind zehn dabei die kann ich das fragen!
00:04:57: Und später gehst du nochmal nach deinem Adressbuch weil das den Kreis auf hundert, obwohl du eigentlich weißt dass neunzig schon gar nicht aus verschiedenen gründen gar nicht in frage kommen und am ende habe ich einfach glaube ich alle angeschrieben.
00:05:10: Also da sieht man dann was man für dinge tut die rationalen nicht erklärbar sind die auch keinen sinn machen die Du in der verzweiflung aber einfach tust weil aktionismus sich immer noch besser anfühlt als resignation oder oder nichts tun Und hab mir dann Geld geliehen von verschiedenen personen Aber immer nur so viel wie gebraucht hat.
00:05:28: Das heißt nicht von zehn auf einmal sondern Das übliche Spiel, Geld geliehen.
00:05:33: Geld war weg.
00:05:34: Das Ganze ging von vorne los der Graben war noch tiefer und auch da wieder natürlich gesagt ich kann jetzt nicht das nicht zurückzahlen.
00:05:41: also wie was muss ich tun dafür?
00:05:43: Und so wurde die Spirale immer immer enger und immer schlimmer eigentlich.
00:05:48: und natürlich tut mir das wahnsinnig leid und ich sehe heute wie ekelhaft das ist.
00:05:53: Also es eines ja dass du eine kriminelle Handlung begehst Wenn du es bei einer Bank tust, aber Versicherung ist das noch relativ anonym.
00:06:00: Bei Bekannten und Freunden ist es natürlich nochmal eine andere Dimension Und Du verspielst da Vertrauen oder Verspieltsbeziehungen und Obwohl du eigentlich an nichts mehr hängst als da dran und möchtest auch verlässlich sein Bist das aber in dem Fall überhaupt nicht?
00:06:19: Heute sehe ich wie das... Ich kann's eigentlich anders sagen, wie eklhaft es eigentlich ist Ja, wie tief ich dann zu dem Zeitpunkt gesunken war.
00:06:30: Gab es eigentlich auch suizidale Gedanken?
00:06:34: Gab es aber... gab es immer wieder, aber ich glaube in den letzten Endes könnte ich's nicht.
00:06:41: also das ist so.
00:06:42: die Gedanken kommen dir dass es irgendwo besser wäre jetzt das ganze Zubeen weil du es gar nicht mehr aushalten kannst.
00:06:49: Ich habe dir vorhin gesagt oder in der letzten Folge gesagt Dass da eben Kämpfe stattfinden, die so massiv sind dass du sie gar nicht mit dir mehr ausmachen kannst.
00:06:58: Und das wurde natürlich immer schlimmer und immer mehr, und natürlich taucht es im Verlustfall eben auch immer auf.
00:07:05: Das Schlimme ist dann, dass du im Fall von Gewinnen nicht rational denkst und das dann auch nicht dazu nutzt um dann in Ordnung zu bringen was in Ordung zu bringen ist sondern dann meinst ja ich muss aber dahin kommen, ich muss da einkommen, ich musste da ein kommen.
00:07:19: Ich hatte also ebenfalls auch Depressionen die... glaub ich automatisch dann irgendwann da
00:07:26: mitkommen.
00:07:28: Und auch suizidale Gedanken, aber ich glaube, wie man wusste... Ich kann das meinen Kindern nicht antun und meiner Familie nicht antuen.
00:07:39: Und ich hänge auch am Leben.
00:07:41: trotz allem Mist und trotz aller Probleme häng' ich eben auch im Leben.
00:07:44: Aber so Gedanken, glaub ich, kommen in so einer Südhosson fast jedem auf jeden
00:07:49: Fall.
00:07:49: Deswegen dachte ich, ich spreche das mal direkt einfach an weil ich finde es sehr verständlich dass man in dieser Hilflosigkeit irgendwie zumindest die so eine letzte Hoffnung hat bisschen Kontrolle zu haben und das ist vielleicht zu wissen okay ich könnte das auch beenden aber ok noch ist es nicht so weit oder so.
00:08:06: aber manchmal ist es ja wie so eine Erleichterung zu wissen es gibt dann doch so ein Fluchtweg.
00:08:12: also aber gleichzeitig beschreibt es ja einfach sehr, wie stark diese Hilflosigkeit in solchen Momenten sein muss.
00:08:20: Und gut nachvollziehbar wenn du sagst das gab irgendwie auch schon körperliche Schmerzen wahrscheinlich hast du auch gar nicht mehr geschlafen weil nachts muss es weitergehen.
00:08:27: irgendwie ich muss trotzdem gucken was am nächsten Tag und was muss ich tun.
00:08:32: Wen kann ich nochmal anrufen?
00:08:33: Kann ich mir gut vorstellen dass das Alter voll an die Substanz geht!
00:08:38: Du musst ja auch teilweise auf Antworten warten.
00:08:41: Und es gibt nichts Schlimmeres, als abzuwarten und Unsicherheit, Ungewissheit zu sagen, klappt das?
00:08:48: Also deswegen ... Ich hab mich überhaupt nicht mehr damit beschäftigen können.
00:08:51: ist jetzt richtig auf falsch was ich tue Sondern nur die Frage wie etwas passiert wenn's nicht klappt.
00:08:55: Ja... Heute habe ich Abstand dazu und hab andere Gefühle dabei aber damals Habe ich nichts gefühl gehabt.
00:09:02: ich tu jetzt jemandem unrecht oder ich schädige jemand weil mein Gedankengang war ganz klar darauf ausgerichtet.
00:09:08: Ich brauche das jetzt einfach, aber keiner kommt zu Schaden.
00:09:11: Dass es nicht stimmt weiß ich heute auch.
00:09:13: Aber wenn du in diesem Hamsterrad steckst und dieser Sucht drinsteckst wird dieser Part ganz klein verschwindet fast.
00:09:20: Und zu den suizidizialen Gedanken zurück.
00:09:23: Ich habe es ja ganz am Anfang auch gesagt, ich bin jemand der sich seinen Problemen und Taten auch stellt.
00:09:30: Auch wenn ich jetzt den Schaden gut wiedergutmachen kann haben die Leute zumindest das Recht dass ich sage es tut mir leid Und so.
00:09:37: und so war es.
00:09:38: Ich sehe heute, wie schlimm das war.
00:09:43: Es ist mir wichtig, das auch zu sagen.
00:09:45: Darauf haben alle einen Anrecht.
00:09:47: Dass es nicht alles wieder gut macht und die Dinge nicht verschwinden, ist mir klar.
00:09:52: aber das ist das Minimum, was der Anstand angebietet.
00:09:55: Was natürlich mein Inneres mir sagt.
00:10:00: Wann kam quasi der Wendepunkt?
00:10:02: Weil irgendwie offensichtlich gab es einen ... Ja.
00:10:07: Also wie hast du es geschafft, dein Blickwinkel wieder zu erweitern und wieder irgendwie so klarer über die Situation blicken zu können?
00:10:17: Du hast natürlich den Wunsch irgendwo unterschwelligt das ist auch endet und dass man irgendwie wieder ein Leben führen kann was irgendwie lebenswert ist oder was einigermaßen funktioniert.
00:10:28: Und ich hatte im Jahr zwanzig-zweiundzwanzig mit der Familie schon einen Anlauf für eine stationäre Therapie unternommen.
00:10:36: Das ist dann unter anderem einfach daran gescheitert, dass die Krankenkasse oder die Private es nicht bezahlen wollte.
00:10:43: Weil sie keine Therapie bezahlen sondern nur bei einem akuten
00:10:47: Notstand
00:10:48: sozusagen bezahlen und der lag definitiv vor.
00:10:51: aber weil etwas Zeitverzug mit drin war lag der medizinisch gesehen dann sozusagen nicht mehr vorn.
00:10:57: das habe ich da natürlich auch wieder dafür genutzt zu sagen geht halt jetzt nicht also.
00:11:02: aber da war das erste mal der wirkliche Wille.
00:11:06: Im Jahr zwanzig, dreiundzwanzig war es dann eben so, dass ich das so zugespitzt hatte nochmal mit den privaten Geldgebern.
00:11:12: Mit den Freunden die mir geholfen hatten und es wurde dann also wirklich unerträglich und ich glaube ich habe schon viel mehr ausgehalten als manche andere aushalten kann und das meine ich jetzt nicht im Lob sondern eigentlich im schlechten.
00:11:25: aber ich war halt als Unternehmer mit den Firmen mit dem Problem gewohnt Dinge auszuhalten.
00:11:31: Ja absolut.
00:11:32: Und da ein bisschen rettelient zu sein Und da hat's mir definitiv geschadet.
00:11:37: Da war aber ein Punkt gekommen, wo es einfach wirklich gar nicht mehr ging, gepaart mit dem Problem, dass ich auch gar nicht jetzt gewusst hätte, wo kriege ich überhaupt noch irgendwie ... Ich hätt das noch eine Bank überfallen können oder ... Ich weiß nicht was sozusagen.
00:11:50: Die Möglichkeiten
00:11:52: waren wirklich ausgeschöpft und natürlich war mir klar, dass die Leute mittlerweile untereinander redeten.
00:11:57: Also meine WhatsApp hab' ich ja an die ganze Stadt geschickt sozusagen.
00:12:03: war mir klar, dass hinter meinem Rücken die Leute auch sprechen und dass das irgendwie dann auf die Runde macht.
00:12:08: Dass es nicht mehr funktioniert oder so.
00:12:13: Und dann war der Moment gekommen, wo ich gesagt habe, ich muss jetzt irgendwas tun.
00:12:16: Dann hab' ich an meine Ex-Freunden, also ich hatte zwischendrin eine Beziehung, die aber auch ein bisschen schwierig verlaufen ist, einen Abschiedsbrief geschrieben.
00:12:27: Zum Einen hatte ich mich auch wirklich gefühlt zu dem Zeitpunkt.
00:12:29: Wir hatten ja sehr voll von den Gedanken wusste ich, dass sich damit ein Ereignis herbeirufen kann was dann Ding in Gang setzt sozusagen.
00:12:38: Ein
00:12:39: Hilfe-Ruf?
00:12:39: Genau und der hat dann auch dazu geführt das natürlich hat sie die Polizei gerufen die mich dann aber zu Hause angetroffen hat.
00:12:48: Die haben mich dann in die Psychiatrie hier in Emdingen gebracht Aber auch sozusagen mit meiner Zustimmung Und dort war ich dann einen Tag und eine Nacht und Von dort aus konnte ich dann sozusagen die stationäre Therapie planen Und unter diesen Umständen wurde sie dann eben auch übernommen.
00:13:07: Ja, also es soll sich nicht so anhören sozusagen das war als reines Kalkül.
00:13:11: Es war wirklich wahnsinnig dreckig aber ich wusste dass es noch dieses eine auslösende Element braucht dass es kein zurück mehr gibt sozusagen und das war dann die der Hilferof wie du richtig gesagt hast der das dann in Gang gesetzt hat Die Therapie angetreten in Hornberg, im Schwarzwald.
00:13:36: Und die war erst mal dann angelegt ... Ich hab natürlich so die Idee gehabt zwei, drei Wochen vielleicht vier Wochen aber sie war erst einmal Open-End angelegt sozusagen weil du weißt ja nicht wie schnell und wie gut das anschlägt.
00:13:51: Natürlich bin ich auch nicht geheilter hingekommen.
00:13:54: Das muss man auch klar sagen sondern ich kam dann in ein Setting dass ich damals eher für Gefängnis gehalten habe.
00:14:00: Heute weiß ich's besser.
00:14:04: Dazu
00:14:04: kommen wir noch?
00:14:05: Genau, und ich wusste natürlich auch das Verfahren im Hintergrund laufen aber das blendest du alles irgendwo noch so ein bisschen aus.
00:14:12: Das
00:14:13: kann ja auch kein Mensch aushalten.
00:14:14: Wenn ein Gehirn darauf klarkommt was da alles passiert ist und vor allem wenn das Zocken dann weg ist und man da voll diesem Berg steht wie soll man das denn kognitiv aufhaben also...
00:14:25: Du kannst es nicht aushalten, das ist wirklich zu viel.
00:14:29: Und dann kam ich da in die Klinik und dann setzt sich das ja zusammen aus mehreren Bausteinen.
00:14:37: Das eine ist ja das Setting an sich, dass du da abgeschieden bist, dass so dein Zimmer hast, dass Du fest dort wohnst, dass Tu natürlich auch mal im Wochenende Hause darfst aber eigentlich Dort bist Aus einer Einzeltherapie Stunden- und Gruppentherapie Die Gruppenterapie jeden Tag.
00:14:52: Neunzig Minuten die Einzel Therapie zwei oder drei Mal die Woche Und dann noch Kunsttherapie und verschiedene andere Bausteine.
00:15:00: Ich war nie ein Fan von Gruppentherapien, ich muss sagen heute verstehe ich warum das ein Baustein ist.
00:15:05: aber die Einzeltherapies hilft mir mehr sozusagen.
00:15:10: Da hätte ich auch gerne mehr gehabt davon, aber es gibt das System nicht her.
00:15:17: So habe ich wirklich vier bis sechs Wochen ... Also eigentlich die Zeit, wo ich dachte, ich gehe dann geheilt und alles ist gut.
00:15:24: Da habe ich schon wieder nach Hause zum Ankommen gebraucht.
00:15:27: Na klar, du musst ja erst mal richtig auf den Zug von all dem Adrenalin was hinter dir liegt!
00:15:33: Ja und auch mental mich auf das Setting einzulassen und zu sagen... Ich hab zwar keinen Lust Bilder zu malen aber vielleicht hat es doch irgendwie ein beruhigende Charakter oder hat vielleicht einen Sinn?
00:15:42: Hast
00:15:42: du dich eingelassen?
00:15:43: Irgendwann
00:15:44: dann schon am Anfang nicht so sehr mental
00:15:48: Cool, aber schön dass du es dann geschafft hast.
00:15:50: Ich
00:15:51: liebe das ja und die Kunsttherapie ist wunderschön.
00:15:53: Aber ich verstehe, dass das erstmal auf Skepsis trifft.
00:15:57: Ja gerade bei jemandem aus der Praxis.
00:16:01: Aber so grundsätzlich musste mich an das ganze Setting gewöhnen und offen werden für Händerung.
00:16:10: Also ich weiß, wir haben in der Einzeltherapie wirklich gerungen und sehr gute Gespräche.
00:16:16: Aber sozusagen immer wenn es an den Kern geht, neigt man ja dazu sich zu schützen und einen Schutzwahl aufzubauen und zuzumachen usw.
00:16:24: Und das zu lernen da dann das zuzulassen und genau dahinzugehen wo's weh tut ist nicht einfach.
00:16:32: Das hat Zeit gebraucht.
00:16:33: Es ist gelungen auch?
00:16:36: Zusätzlich hatte ich natürlich äußeren Druck, weil die verbunden mit dem Eintritt in Therapie musste sich natürlich allen mitteilen ihr kriegt euer Geld nicht.
00:16:43: Ich kann nicht so.
00:16:46: dann kommen ja an den Punkt der mir auch bei dem Buch ganz wichtig ist Spielsucht wird ja in unserer Gesellschaft nicht anerkannt.
00:16:54: in dem Sinne das ist ja dann wird als Ausrede gesehen vorgeschoben, damit man sozusagen erst mal aus der Schusslinie ist und so weiter.
00:17:05: Weil natürlich keiner versteht was da wirklich an Mechanismen dahinter steckt und wann Automatismen dahintersteckt und so.
00:17:10: Und das heißt ich hatte natürlich auch Druck von außen dem man irgendwie durch die Therapie ein bisschen abfedern konnte aber nicht ausblenden konnte wenn du weißt die Leute du enttäuscht gerade die Leute um dich rum Und die wollen natürlich antworten oder die wollen am liebsten ihr Geld haben und so.
00:17:27: Du sagst, ich finde es aber eine Therapie.
00:17:29: Lass mich in Ruhe ist ja auch nicht in der Realität so umsetzbar.
00:17:35: Also hat natürlich trotzdem noch vieles auf mich eingewirkt plus die Tatsache dass ich wusste es läuft ein juristisches Verfahren und das Geschreck gespenst Gefängnis kursiert ja auch in deinem Kopf?
00:17:46: Ja
00:17:47: Und mein Anwalt hatte dann der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass ich eine Therapie mache.
00:17:51: Dass ich verfügbar bin und mich nicht in den Verfahren entziehe und dass wir auch wissen, dass da Verfahren laufen.
00:17:58: So ging die Zeit sozusagen ins Land und es wurde aber aus therapeutischer Sicht.
00:18:02: Aus therapeutischer Gesicht wurde das glaube ich sehr viel besser.
00:18:08: Was mir gelungen ist, ist irgendwann Abstand zu mir und meinen Sucht zu gewinnen und mal die Außenperspektive einzunehmen.
00:18:18: Wie wirkst du denn eigentlich oder wie hast Du gewirkt all die Zeit?
00:18:21: Und wie ist das einzuordnen, so dass sozusagen auch die Rückmeldung kam während der Therapie, dass es in die richtige Richtung geht bis dann am Ende nach drei Monaten die Entlassung erfolgte mit der Maßgabe, dass eben eine Ausreitenstabilisierung eingetreten ist und dass eine gewisse Sicherheit eingeteten ist, dass jetzt nicht sofort der nächste Rückfall passiert.
00:18:47: Und geplant war dann eine ambulante Weiterbehandlung, die hatte ich dann schon organisiert über die Uniklinik wo ich früher eben auch war und möglicherweise noch mal ein stationäres Intervall ein halbes Jahr später oder so.
00:19:00: Das heißt ich war das erste Mal auf einem guten Weg was die Sucht anbelangte.
00:19:05: natürlich die Probleme waren gar nicht weg und dieses was mich immer gedrückt hat war auch nicht weg.
00:19:11: aber ich konnte besser damit umgehen zu dem Zeitpunkt weil diese öffentliche Beichte, diese öffentlichen Bloßstellung sozusagen die ist super unangenehm und ganz schlimm aber sie nimmt Druck.
00:19:25: Wenn alle wissen es geht nicht und das steckt dahinter, hat mir ein bisschen den Druck genommen.
00:19:32: ich muss jetzt weitermachen damit keiner enttäuscht wird.
00:19:36: Das war der große Unterschied zu früher.
00:19:39: Und wie sah deine beichten Anführungszeichen aus?
00:19:43: Magst du darauf eingehen, wie die Bombe ins Platzen kamen?
00:19:49: Es war unterschiedlich.
00:19:50: Mit manchen Leuten habe ich persönlich gesprochen und bei anderen hat es meinen Anwalt übernommen.
00:19:56: Ich war dann irgendwann einfach nicht mehr dazu in der Lage.
00:19:58: Das war wirklich warm am Ende sozusagen.
00:20:02: Du musstest den Therapieramen auch als Schutz nutzen.
00:20:06: Es wurde mir von der Klinik gesagt ... mich auf die Klinik konzentrieren und das jetzt nicht sozusagen X-Gespräche und so weiter.
00:20:15: Ja, verstehe.
00:20:16: Aber ich sag mal so ... Das erste Gespräch was du zu diesem Thema geführt hast wie war das für dich?
00:20:24: Innerlich natürlich furchtbar.
00:20:26: Und im Gespräch... Ich will nicht sagen dass ich auf Verständnis gestoßen bin aber zumindest in so weit Dass jetzt niemand mir schlimmes angedroht hat oder so.
00:20:39: Teilweise wurde sogar mit gewisser Weise Hilfe angeboten oder zumindest auch teilweise Verständnis gezeigt.
00:20:45: Es war unterschiedlich, ja?
00:20:48: Aber doch anständig muss ich sagen also keine ausfallenden Gespräche, keine bösen Drohungen aber Enttäuschung.
00:20:57: ganz klar und glaube bei den meisten Menschen war die Enttäuschung, weil es missbrauchte Vertrauen größer als der Geldbetrag.
00:21:04: Also über den Geldbetrager?
00:21:05: Ja das hat wahrscheinlich auch am meisten weh das zu spüren dass da einfach jemand enttäuscht ist.
00:21:10: Und gerade wenn man jemandem hilft und ich ja noch um die Hilfe gebeten hatte kommt er noch dazu ist ja keiner zu mir gekommen hat gesagt ich will Geld verdienen nicht leide jetzt Geld sondern ich habe ja gesagt ich brauche Hilfe und das glaube ich wiegt halt deutlich schwerer als jetzt die reine Summe oder eine Geldbetrage.
00:21:30: Und das, wie gesagt, tut mir auch unfassbar leid.
00:21:34: und wenn ich es rückhängig machen könnte sofort.
00:21:38: Im Moment kann ich jetzt nur dazustehen und sagen natürlich gab's auch in gewisser Weise eine Strafe dafür die ich dann auch ertragen musste.
00:21:47: aber ich bin mit meiner Verantwortung bewusst und sozusagen der Tragweite heute bewusst.
00:22:05: Alles raus war, was natürlich sehr unangenehm in dem Moment gewesen ist.
00:22:10: Aber im Nachhinein auch eine Wahnsinnsentlastung weil jetzt wussten die Leute Bescheid
00:22:15: Suchtechnisch suchtechnisch.
00:22:16: die Entlastung die ich jahrelange gebraucht hätte Weil jetzt war alles raus es war öffentlich.
00:22:21: zumindest das was man wissen musste war öffentlich.
00:22:26: Damit war auch die Chance dass mir irgendjemand noch etwas gibt oder so auch bei null angelangt.
00:22:30: spätestens
00:22:31: stimmt das ist ja nochmal die zweite Seite dieser Idee, ich outstimm mich.
00:22:36: Das heißt ja auch, ich kappe den Weg noch mehr vorher zu bekommen
00:22:41: und das waren die Komponenten, die gebraucht habe damit der Therapie wirksam sein kann.
00:22:46: Das
00:22:47: ist auch eine Entscheidung, natürlich zu wissen.
00:22:49: Okay hier schneide ich mir da quasi die letzte Tür zu also ich mache die zu.
00:22:54: aber die entscheidung habe ich natürlich viel viel viel zu spät getroffen
00:22:58: Aber es ging nicht früher.
00:22:59: das.
00:22:59: er hat gesagt Die Gedanken waren ja da aber irgendwie der moment der entscheidungen war halt erst später
00:23:06: genau Genau.
00:23:08: und dann wurde ich im am eighten zwanzigsten elften dreinzwanzig aus von der therapie entlassen.
00:23:16: Datum weiß ich bis heute noch genau, weil es der Todestag meines Vaters ist.
00:23:21: Und dann kommt ja quasi die Belastungserprobung zu Hause und da habe ich mich ganz unwohl gefühlt oder kaum vor die Tür getraut, weil ich wusste irgendwie viele wissen das jetzt.
00:23:36: Wem begegne ich?
00:23:38: Wie begegnet der mir dann?
00:23:40: also dass man höchstens nicht auf den Münsterplatz geht und sagt hier bin ich, glaube ich kann man nachvollziehen.
00:23:46: Gleichzeitig wusste ich, dass Verfahren läuft im Hintergrund.
00:23:50: Aber auch Weihnachtestand vor der Tür und das war mit meinen Kindern geplant und am neunzehnten Dezember haben wir den Weihnachtsbaum gekauft und dann miteinander geschmückt.
00:23:59: am Abend.
00:24:01: Und am zwanzigsten Dezemer da war ich dann abends noch mit einer Freundin zum Essen verabredet hat es an der Tür geklingelt.
00:24:08: Meine Kinder waren gerade sieben Minuten aus dem Haus und ich habe dann schon in der Wohnungstür oben im Dachgeschoss gewohnt gesehen, da stehen mehrere Personen vor der Tür und dann war relativ schnell klar es ist die Kriminalpolizei mit dem Durchsuchungsbeschluss.
00:24:26: Und dann geht ihr erst mal kurz durch den Kopf ich mache jetzt nicht auf aber dann klar setzt natürlich die Vernunft ein so sagen das bringt nichts.
00:24:32: und dann habe ich sie reingelassen.
00:24:35: und dann hat Nims Durchsuchung Beschluss aber auch einen Haftbefehl dabei.
00:24:38: Es hat dann ein bisschen gedauert, bis ich kapiert hab was das bedeutet.
00:24:41: Ja,
00:24:41: das verstehe ich!
00:24:42: Das hat eine Stunde ungefähr gedaubert bis mir klar war dass Haftbefehl bedeutet nehmen dich jetzt auch gleich mit.
00:24:48: Dann waren es so sechs bis acht Beamte die die Wohnung durchsucht haben Briefe sichergestellt haben auch mein Laptop PC Handy und weißt du wirst wahrscheinlich kennen eben an natürlich auch viele ungeöffnete Briefer gefunden haben Die man halt einfach weglegt weil man weiß es steht nichts Gutes drin Und mit was man sich nicht beschäftigt, ist ja auch nicht da.
00:25:09: Genau!
00:25:10: So war das dann bei mir irgendwann halt einfach auch, weil man es gar nicht aushalten kann wenn man alles bearbeitet hat.
00:25:17: Nee,
00:25:18: das ist ja absolut...
00:25:19: Und du eh nicht mehr klar denkst sozusagen.
00:25:24: und dann haben sie eben gesagt jetzt müssen wir sie aber auch mitnehmen.
00:25:27: und dann durfte ich noch kurz meiner Mutter an meiner Ex-Frau Bescheid sagen, aber mehr nicht Blöde, da war auch eben neben der Therapie die ich ja gemacht hatte.
00:25:38: Die die gut angeschlagen hatte wer genau in dem Tag auch mein erster ambulanter weiter Behandlungstermin gewesen.
00:25:44: also war jetzt ein saublöder Termin.
00:25:47: sozusagen gibt keinen guten für eine Verhaftung.
00:25:50: aber das waren blöder Zeitpunkt weil es eigentlich auf einem guten Weg so zu sagen war alles.
00:25:54: und dann kam mir da aufs polizeirevier da habe ich meinen anwalt getroffen Und dann war klar es gibt am dem tag noch ne Haftbefehl zur öffnung auf der dann Richterin entscheidet, ob der Haftwertfehl in Vollzug gesetzt wird.
00:26:11: Und dann musste ich vier Stunden in einer Gummizelle, ich kann es nicht anders nennen verbringen und das war das Schlimmste eigentlich.
00:26:18: Von allem was noch folgen wird, war das fast das schlimmste, weil du hattest in dieser Zelle ein Edelstahlbett und einen Loch im Boden, was als Toilette fungieren soll sonst gar nichts und hast keine Uhr, hast keine ... Kein Handig!
00:26:31: Und versuch das mal.
00:26:33: Wenn du das Zeitgefühl verlierst, bist du verloren.
00:26:36: Du wirst verrückt in der Hälfte von vier Stunden, wenn du nicht weißt wie viel Uhr es ist und wie die Zeit vergangen ist usw.
00:26:40: Ist ein ganz ekelhaftes Gefühl.
00:26:42: Ich glaube ich.
00:26:44: Und nach ungefähr vier Stunden wurde dich dann ins Amtsrecht gebracht wo dann die Habt für Fehleröffnung war.
00:26:49: und da war so der Moment gekommen... Da wurde ich mit den Vorwürfen konfrontiert und dann hat sich herausgestellt dass sie von allem vielleicht die Hälften ungefähr ermittelt hatten.
00:27:00: und dann haben wir entschieden Ich gebe alles zu, auch das was noch nicht in den Akten aufgetauft ist.
00:27:05: Okay.
00:27:06: Einfach der Gedanke dahinter war ich wollte halt zu den Taten zumindest stehen, ich wollte mich nicht verstecken, ich wollt auch nicht taktieren.
00:27:14: Schlimm genug dass alles passiert ist aber da war der Moment wo ich sage jetzt musst du Verantwortung übernehmen und hab dementsprechend sozusagen überschießendes Geständnis gemacht hat aber nicht dazu geführt dass er Haftbefehl außer Vollzug gesetzt wurde sondern in Vollzuggesetzt dann tatsächlich ins Gefängnis in Freiburg hier.
00:27:35: Das sind fünf Minuten Fahrt ungefähr, die auch in Handschellen hinter mich bringen musste...
00:27:44: Wie war das für dich?
00:27:45: Also was ging dir da durch den Kopf?
00:27:48: Was passiert mit einem Menschen wenn das passiert?
00:27:50: Ja es kann man eigentlich fast nicht beschreiben.
00:27:53: natürlich hatte ich sozusagen auch ja die Jahre schon immer so sagen dieses Schreckgespenst im Kopf aber du weißt überhaupt nicht was das bedeutet wenn's dann wirklich eintritt.
00:28:01: Es ist eine Situation, auf die du dich nicht vorbereiten kannst.
00:28:06: Und das war auch im Prinzip ganz kurz und schmerzlos.
00:28:09: Also wir kamen beim Gefängnis an.
00:28:12: Dann gibt es ne kurze Aufnahme.
00:28:13: da wird ein Foto von dir gemacht.
00:28:15: Du gibst deine Ausweis usw.
00:28:17: ab und wirst sofort eigentlich auf die sogenannte Schubabteilung gebracht.
00:28:22: Das ist die Abteilung, die auf der Leute sind, die weitertransferiert werden wo man noch nicht weiß wo sie hinkommen.
00:28:30: Also zum kurz Verbleib sozusagen.
00:28:34: Wenn du dir die Hölle vorstellst, dann genau so.
00:28:39: Das sind kleine Zellen mit bis zu sechs Leute, die dort untergebracht sind in Stahlstockbetten.
00:28:49: Es ist vom Zustand her runter gekommen, dreckig, stinkt, trostlos... Ganz ganz ganz übel und du bist plötzlich mit fremden Menschen eingepfercht, anders kann man es nicht sagen.
00:29:02: Und weißt nicht was passiert weil mir niemand etwas erklärt, irgendwelche Abläufe erklärt oder gesagt darauf musst du achten oder so sondern das musst du dir dann alles selber sozusagen beibringen.
00:29:12: Ich hatte dann Glück dass ich in eine Zelle nur zu zweit kam für den Abend und der diejenige da drin war wirklich hilfsbereit war auch mir erstmal noch was zu essen angeboten dann zu trinken und mir dann gewisse Dinge erklärt hat wissen sollte sozusagen.
00:29:28: Aber letzten Endes habe ich an die ersten zwei Wochen nur bruchstückhafte Erinnerungen, weil es einfach wie ein Film abläuft den du nicht realisierst.
00:29:36: Ja das kann ich mir vorstellen dass das wirklich schwer zu verarbeiten ist
00:29:41: und ich war dann so.
00:29:43: Untersuchungshäftling kam dann am nächsten Morgen auf eine normale untersuchungshaft Station sozusagen Stockwerk.
00:29:52: Das bedeutet aber letztens, du kommst in eine Zelle zu zweit die neun Quadratmeter groß ist.
00:29:57: Da drin ist ein Tisch.
00:29:59: Eine Toilette mit Vorhang und Waschbecken an Schrank und Bett Und so bist du zu zweiter dort untergebracht.
00:30:07: Ich kam dann mitten einem Romän zusammen Lieber Kerl, wir haben uns auch sozusagen gut verstanden Aber er spricht romänisch-spanisch und ich Deutsch Englisch.
00:30:18: das heißt Wir konnten uns nur mit Händen und Füßen ein Wörterbuch irgendwann und Gesten eigentlich neu unterhalten.
00:30:24: Und das... ...zweiundzwanzig Stunden am Stück eingesperrt miteinander, ja?
00:30:30: Wie
00:30:30: lange ging das?
00:30:31: Wie lang musstest du also in diesem Setting verweilen?
00:30:34: Ja!
00:30:34: Also im Prinzip war ich elf Monate untersuchungshaft.
00:30:40: Vier Monate war ich eben in der Zelle.
00:30:43: Dann habe ich nach vier Monaten die Zelle gewechselt und mit einem Libanesen, mit dem mich angefreunet hatte zusammengegangen.
00:30:51: Es hat sich insofern verbessert, weil wir uns unterhalten konnten.
00:30:55: Wir haben Begemmen gespielt, wir haben Poker gespielt und immer sozusagen für Trainingseinheiten.
00:31:01: also wenn du eine Begemp-Partie verloren hast musst du so zehn Liegestützen machen oder zehn Bauchübungen machen oder so.
00:31:06: Du versuchst halt alles um dich abzulenken und irgendwie die Zeit rumzukriegen.
00:31:10: Aber das Setting war das gleiche, zwanzig Stunden Zelle, zwei Stunden Ausgang.
00:31:13: Genau
00:31:14: Das ändert sich Insofern Wenn du Glück hast ein bisschen dann war es auch bei mir.
00:31:18: nach einem halben Jahr In der U-Haft ist nicht üblich zu arbeiten.
00:31:23: Aber es gibt pro Stockwerk, und in Freiburg gibt's drei Untersuchungshaftstockwerke, gibt's vier Jobs.
00:31:29: Das sind zwei Essenholer, also die das Essen verteilen.
00:31:32: Und zwei Schänzer, das ist Reiniger.
00:31:34: Da putzt du die Beamtentoilette des Beamtenbüros, die Gänge, tauschst die Wäsche, tauscht die Bettwäsche... ...und da hast du dann eine Einzelzelle und hast die Zellentür von sechs Uhr, fünf vierzig bis siebzehn, fünf zehn offen?
00:31:50: Dort viel,
00:31:52: ganz viel.
00:31:52: Ja das ist absoluter Luxus natürlich.
00:31:56: Kannst dich ein bisschen freier bewegen und die Jobs werden ja nicht jede Woche frei.
00:32:01: Das heißt jetzt kriegst du erst die Möglichkeit wenn einer frei wird.
00:32:04: am Anfang war es so dass ich immer wieder für meinen empfinden übergangen wurde obwohl mir versprochen wurde ich kriege einen der Jobs hat aber dann halbes Jahr gedauert letztens bis es tatsächlich so war.
00:32:15: und du musst einfach wissen im Gefängnis gibt's keinen müssen da gibts nur dürfen Und das ist reine Ermessenssache des Beamten oder der Beamte.
00:32:24: Wenn die nicht wollen, kriegst du gar nichts.
00:32:26: wenn sie wollen dann geht's.
00:32:28: und natürlich war ich dort ein Exot auch in der Seite.
00:32:32: Ich war der einzige glaube ich im ganzen Gefängnis der mit Abitur und Studium dort hin kamen und Das gefällt natürlich auch nicht jede.
00:32:42: ja weil du dann die Beamten begegnet mit Skepsis und sagen Ja ob man dem was glauben kann und der kommt wegen Betrugs hier.
00:32:51: Also da wurdest du natürlich durchaus auch skeptisch bei euch, bis man sich dann auch mal besser kennt.
00:32:56: Und es ist dort genauso wie im wahren leben.
00:32:58: Du musst dich auch dort hoch arbeiten und dich bemühen.
00:33:02: und für mich war das wichtigste Ich wusste ja auch gar nicht Was kriege ich für eine strafe?
00:33:06: Wie lang bin ich dort?
00:33:08: Da darf sie nichts zu schulden kommen lassen!
00:33:10: Du musst wirklich ganz sauber durch die Haft egal was dir begegnet schlucken, du musst alles ertragen ohne Widerspruch.
00:33:17: Weil Disziplinarmeldungen oder irgendwas wirken sich nachher auf deinen Vollzug aus und wenn du dann einen Offenvollzug in den Freigang kommen willst kann es sein dass du denen dann nicht kriegst Wenn du eine Schlägerei hattest zum Beispiel oder wenn du dich da uns schlecht benommen hast.
00:33:29: oder nur Widerspruch oder so.
00:33:31: Das heißt du lernst halt absoluter Akzeptanz absolute Geduld Ja und ich einfach anzupassen an ein System was ich nicht an dich anpasst.
00:33:40: Genau, wie schwer ist es dir gefallen auf einer Skala von null bis zehn?
00:33:44: Zehn ist absolut schwer.
00:33:47: Also ich muss sagen da wundere ich mich selber ein bisschen drüber.
00:33:50: Ich habe es relativ gut geschafft innerlich natürlich irgendwo zwischen sieben und neun aber nach außen hin sozusagen oder im gelebten Alltag ist es mir gelungen auch so jeden Tag gehadert oder also geweint habe ich so eigentlich nie.
00:34:11: In dem ganzen Prozess nicht,
00:34:14: nur einmal das gar nicht unbedingt wegen mir kann ich gleich noch kurz erzählen aber die... Ich war fokussiert darauf zu gucken wie komme ich wieder raus?
00:34:23: und am Anfang clammaste ich auch dort an Hoffnungen die sich nach und nach einfach zerschlagen.
00:34:29: zum Beispiel hat mein Anwalt am Anfang Die Hoffnung hat, über eine Haftbeschwerde mich zu untersuchungshaft zu kriegen.
00:34:35: Daran klammerst du dich.
00:34:36: Die wird aber abgelehnt.
00:34:37: Dann kommen noch die zweite und dritte und irgendwann realisierst du.
00:34:40: Du kommst jetzt da vor deinem Urteil nicht raus.
00:34:43: Und wenn du den Haftalltag akzeptierst, egal wie schlimm er ist dann wird er erträglich.
00:34:50: Ja?
00:34:50: Und... ...die schlimmsten Phasen sind die wo du auf was wartest.
00:34:54: Du wartest auf die Anklageschrift, du wartest auch dem Prozessbeginn, du wartest aufs Urteil, du erwartest auch die Konferenz.
00:35:01: Die Zeiten sind unerträglich.
00:35:04: Und bei mir war es dann so, dass das relativ lange gedauert hat bis die Anklageschrift kam.
00:35:09: was eigentlich verwunderlich war weil ich ja schon alles gestanden hatte ist keine neuen Ermittlungsergebnisse gab aber es gibt auch Urlaubszeit.
00:35:17: und und dann kam eins dazu die Staatsanwaltschaft.
00:35:21: wir hatten natürlich auch informiert über das Spielsuchtthema und der Staatsanwalt hatte einen Gutachter beauftragt Das zu prüfen, sich der Thematik anzunehmen.
00:35:31: Natürlich im Glauben, da kommt nichts bei raus.
00:35:34: aber damit was abgeklärt hat und das hat dann eben auch gedauert weil der erste Gutachter den eingesetzt wurde ist verstorben in der Zeit bis er Zweite gefunden war, dass er zweite Zeit hatte.
00:35:44: so es kostet halt alles Zeit.
00:35:46: Ja also das kann man sich ja wirklich
00:35:49: wahnsinn.
00:35:50: Und die Zeit sitzt du halt dort?
00:35:53: Dass du mal ein Gefühl dafür kriegst eben die zwanzig Stunden am Anfang eingesperrt, das heißt du hast eine Stunde Hofzeit und eine Stunde sogenannte Freizeit in der du im Büro einen Antrag abgeben kannst oder mit anderen reden kannst.
00:36:06: Und du hast für den gesamten Monat zweimal dreißig Minuten Besuchzeit und insgesamt zwanzIG Minuten Telefonzeit für den ganzen Monat.
00:36:16: also kann man sich nicht vorstellen ein
00:36:19: Kulturschalk er so dass es
00:36:21: Und das alles immer unter dem permanenten Druck, den du natürlich verspürst durch die Situation, durch das Setting.
00:36:26: Durch die Beamten und durch die Mitgefangenen.
00:36:31: Also ist schon eine Prüfung, die man keinen wünscht und die wirklich hart sehr, sehr hart ist.
00:36:38: Wer war es aber eigentlich von Vorteil?
00:36:40: Dass du das so gut im Außen was anderes sein konntest als im Inneren also dass du deinen Impulsen nicht so schnell nachgeben... ... musstest, weil du schon sehr gut trainiert warst, so ein Doppelleben zu führen.
00:36:53: Also nach außen quasi sehr angepasst?
00:36:55: Resilienz habe ich
00:36:57: gelernt
00:36:58: und die brauchst du dort aber auch unbedingt.
00:37:01: Die brauchst Du dort unbedingt!
00:37:03: Und du kommst ja auch in Situationen... ...die du gar nicht kontrollieren kannst.
00:37:08: Du kannst dir vornehmen, ich werde nicht eine Schlägerei verwickelt und ich wusste ja, ich bin von allen der Schlechste Also, die haben alle mehr Muskeln als ich.
00:37:14: Die haben alle vielleicht auch andere Erfahrungen und wusste ...
00:37:18: Bei
00:37:19: jeder Schlägerei bin ich der, der am Boden liegt und dem Zimtzähne fehlen sozusagen.
00:37:24: Allein deswegen natürlich ist es schon zu vermeiden aber du darfst ja nicht alles gefallen lassen weil das ist dort eine harte Welt Und wenn sie merken Sie können mit dir machen was sie wollen dann bist du da der Depfeln.
00:37:35: Das heißt Du musst den schmalen Grad finden zwischen dich zu wehren, dich zu verteidigen Aber nicht über die Linie zu gehen.
00:37:42: Das ist mir Gott sei Dank gelungen.
00:37:45: Aber wobei es auch brenzliche Situationen gab, genau und dann hat die Begutachtung stattgefunden Und der Gutachter war also zweimal fünf Stunden in der JVA und hat mit mir das ganze Leben sozusagen besprochen hatte natürlich umfangreiche Kenntnisse von Therapie Ergebnis Untersuchungsakten Akten bei dem bei der Kripo und ich dachte eigentlich noch im Vorfeld, dass man anwalt mich auf diese Begutachtung irgendwie vorbereiten wird.
00:38:16: Dass man weiß worauf kommt es an?
00:38:18: und so weiter hat er nicht getan.
00:38:20: Er hat gesagt geht einfach rein bleib authentisch bleibt ehrlich.
00:38:25: natürlich habe ich da dann gedacht ja also eigentlich ist deine Aufgabe und später hab ich's verstanden weil der Gutachter natürlich auch merkt ob du Dinge einstudiert hast einen auswendig gelernt hast Dinge erfindest diesen Jahr geschult auf solche Dinge Und bei der Begutachtung haben wir alles besprochen.
00:38:45: Ich habe mich auch dann, auch wenn es wieder Scham behaftet war und man in so eine Verteidigungsposition geht, entschieden ihm wirklich absolut ehrlich alles zu erzählen.
00:38:57: Er hat mir am Ende die Rückmeldung gegeben, dass er nichts nicht weiß was rauskommt aber das er mich für authentisch hält und das was ich ihm erzählt habe verklaubwürdig hält.
00:39:06: Man anwalt und alle drumherum haben gesagt, das Gutachten wird zwar helfen, aber letzten Endes... Weil's ging um die Frage der verminderten Schuldfähigkeit Und die wird juristisch eigentlich nie anerkannt.
00:39:17: Also alle fünf bis zehn Jahre gibt es mal einen Fall, wo das eine Rolle spielt aber in der all ... In ... in ... in... Neun- und neunzig Prozent der Fälle wird das verneinen.
00:39:25: Und die haben gesagt, dass wird helfen weil natürlich da arbeitet ein Historia auf
00:39:29: usw.,
00:39:30: Aber mehr kommt dabei nicht raus.
00:39:32: Und kurz vor Prozessbehen kam dann das Gutachten und tatsächlich hat er gut achtetan für alle Fälle die verminderte Schuldfähigkeit.
00:39:41: Wow!
00:39:43: Ja, sozusagen.
00:39:44: Und gibt da ja verschiedene Kriterien die erfüllt sein müssen und von acht Kriterie oder neun müssen fünf oder sechs erfüllt sind damit man einfacher hat?
00:39:53: Und bei mir waren alle erfüllt und hat dann klar eben auch gesagt dass das sozusagen zur Persönlichkeitsveränderung geführt hat, die ich nicht mehr kontrollieren konnte.
00:40:04: Das war eigentlich ein Gamechanger in dem Verfahren, im Prozess weil es zumindest aus unserer Sicht die Möglichkeit Trotz der hohen Summe und den vielen Taten, usw.
00:40:16: geschaffen hätte für eine Bewährungsstrafe auch zu plädieren.
00:40:20: Oh Gott!
00:40:21: Wie hat sich das angefühlt, das zu hören?
00:40:24: Ja es war natürlich mal ein gute Nachricht.
00:40:27: Für mich war aber eigentlich noch wichtiger als die juristische Komponente.
00:40:31: dass ist so ein bisschen das was ich so unterschwellig immer gefühlt habe bestätigt hat.
00:40:35: Weil ich hab mich ja auch immer gefragt, warum konnte ich nicht aufhören?
00:40:39: Warum habe ich das nicht unter Kontrolle?
00:40:40: Warum hast du das gemacht und konntest mir nie so richtig erklären vor der Therapie und dann vor der Begutachtung?
00:40:46: Und für mich ist es ein wichtiger Punkt weil es eben objektiv von jemandem, der nicht mein Therapeut oder nicht meinen Freund ist quasi eine Aussage war die sagt ohne diese Sucht wäre das alles nie passiert weil es dann dem Ganzen so ein bisschen diese kriminelle Komponente nimmt und diese bösartige Komponenten nimmt.
00:41:10: Deswegen bin ich trotzdem den Personen über schuldig, muss meine Verantwortung übernehmen.
00:41:16: aber es erklärt ein bisschen besser das ist nicht Bösartigkeit, Leichgültigkeit...
00:41:22: Das ist Teil der Sucht des Suchtgedächtnisses wahr?
00:41:25: Ganz
00:41:26: genau!
00:41:26: Und das war für mich eigentlich fast noch wichtiger als die juristische Komponente, wobei die natürlich wenn du im Gefängnis sitzt du willst nur raus.
00:41:33: Also keiner sitzt da drin und sagt ich habe jetzt fünf Jahre verdient und die nehme ich jetzt mal mit sondern du willst natürlich im Gefägnis nur raus.
00:41:40: Und wir waren dann schon der Meinung dass das für den Prozess sozusagen Art Game Changer ist und war es dann letzten Endes.
00:41:49: aber doch nicht weil der Richter hat sich dem voll und ganz angeschlossen dem Urteil des Gutachters.
00:41:56: Der Staatsanwalt, der den Ja beauftragten ausgesucht hatte, hat sich dem nicht angeschlossen.
00:42:00: Sie hat gesagt, der Gutachter ist unrecht und ich fordere fünfundhalb Jahre.
00:42:04: Und wir hatten eben Währungsstrafe also unter zwei Jahren plädiert.
00:42:09: Und das Justizsystem funktioniert dann so dass der Richter natürlich auch versucht alle Parteien irgendwie zufriedenzustellen.
00:42:15: Das heißt Wir sind dann bei drei Jahren und zehn Monaten gelandet was jetzt aber für ohne die verminderte Schuldfähigkeit schon eine übliche Strafe gewesen wäre.
00:42:25: Aber es war natürlich auch öffentlicher Druck da, die Zeitung hat mehrmals berichtet.
00:42:30: Der Richter hätte dann vielleicht sich erklären müssen warum kommt jetzt so einer mit der Schadensumme und so weiter mit Bewährung davon?
00:42:39: Ich will's jetzt auch mal stehen lassen.
00:42:40: was jetzt gibt ja in der Justiz keinen richtig oder kein falsch oder keine Blaupause aber jedenfalls hat sie die Hoffnung auf den Bewährungsstraf hat sich nicht erfüllt und das weiß ich habe sozusagen die Episode Du versuchst ja dann immer stark zu sein, du versuchste auch keine Erwartungen zu haben.
00:42:58: Aber da eben die Möglichkeit bestand ... dass das Gefängnis sozusagen mit Ende der Gerichtsverhandlung endet, hab ich dann ... waren meine Kinder zu besuchen.
00:43:09: zwei Tage davor und weil ich Hoffnung ausstrahlen wollte, habe ich zu meiner Tochter gesagt, wenn alles gut läuft, hole ich dich in zwei Tagen von der Schule ab.
00:43:17: Und nachdem es Urteil gefallen war, war klar, dass das nicht funktioniert.
00:43:20: Und als dann meine Mutter mir erzählt hat, dass sie sie abgeholt hat und die kommt aus dem Schulgebäude.
00:43:25: Sieht meine Mutter und hat sofort Tränenaugen gehabt weil sie natürlich kapiert hat.
00:43:30: das war dann der Moment wo ich mal sozusagen emotional zusammengebrochen bin.
00:43:35: Da hat mich mein Zellenkollege massiv auch aufgefangen.
00:43:41: Das waren die einzigen Tränen in der Haftzeit geflossen sind.
00:43:49: Und dann war klar, der Albtraum geht weiter.
00:43:52: Dann wusstest du drei Jahre, zehn Monate ... Aber du wusstst nicht was es bedeutet?
00:43:58: Weil's ja die Möglichkeit gibt in einen offenen Vollzug zu kommen oder auch den Freigang zu kommen.
00:44:04: Aber das ist auch reine Entscheidung der JVA.
00:44:08: Wahnsinn!
00:44:08: D.h.,
00:44:09: der Richter hat nicht gesagt, du hast jetzt drei Jahre und zehn Monate, aber in drei Monaten oder einem halben Jahr kommst du im Offen und Vollzug, sondern das entscheidet dir die Anstalt Nach deinem Betragen, nach deiner Aussicht.
00:44:22: Was auch immer viele Entscheidungen die da da ist ein Psychologe beteiligt, den Sozialarbeiter beteiligte einen Vollzugsleiter, deinen Arbeitgeber sozusagen im Gefängnis.
00:44:32: ganz viele Leute die da mitentscheiden.
00:44:34: und ich hatte dann noch die Wahl gegen Revision oder akzeptiertes Urteil und habe mich dann entschieden schweren Herzens weil wir es vom Urteil her zu hoch fanden das aber zu akzeptieren weil sonst einfach der Haftablauf wäre nicht weitergegangen.
00:44:50: Plus die Revision musste erst mal durchgehen und sie muss noch ein besseres Ergebnis bringen, das sind sehr viele Wänds.
00:44:57: Und meine Hoffnung war dann jetzt relativ schnell da Richtung auf einem Vollzug gehen zu können.
00:45:03: Tatsächlich ist es auch gelungen.
00:45:05: ich bin dann in meinem Urteil bekam ich im November zwanzig vierundzwanzig.
00:45:11: Dann brauchst du diese Vollzugskonferenz auf der entschieden wird und auf der wurde dann entschieden, werde zugelassen für die Warteliste.
00:45:19: Für den offenen Vollzug.
00:45:21: Und dann ging es ziemlich schnell.
00:45:22: Ende März kam ich dann auf dem Vollzug und damit hat eigentlich der schlimmste Albtraumende gehabt weil Offener Vollzug bedeutet du gehst in.
00:45:31: das ist ein Gebäude mit mit verzwanzig Leute.
00:45:34: In den Gebäuden bewegst du dich frei.
00:45:36: keine verschlossenen Türen mehr keine Beamten die sozusagen da darum rennen.
00:45:42: Du musst dann tagsüber auf den Bauernhof arbeiten, was jetzt auch nicht meine Traumtätigkeit war.
00:45:47: Aber es war an der frischen Luft freier Himmel, freie Betätigung, Luftkriegen und du kannst ab und zu zu Terminen rausgehen oder ab und zur Wochenende nach Hause gehen.
00:46:01: Und das war natürlich für mich aber auch für die Familie ein Gamechanger.
00:46:08: Und angedacht ist dann drei Monate im offenen Vollzug.
00:46:11: Wenn du es dort gut führst, hast du die Möglichkeit zum Freigang.
00:46:16: und freigang bedeutet Du gehst tagsüber arbeiten ganz normal im Job draußen und musst abends in der JVA schlafen darfst aber dann Wochenends Die meisten Wochenenden komplett nach Hause.
00:46:29: und Nach drei Monaten war's dann auch so dass ich dann den frei zum freigangs zugelassen wurde weil ich mich natürlich nicht zu Schulden Abkommen lassen.
00:46:38: Und da bin ich jetzt bis heute, noch bis nächste Woche.
00:46:46: Da fängst Leben dann wirklich wieder an.
00:46:48: Du musst dir jeden Tag bewusst sein, du bist immer noch inhaftiert.
00:46:52: Du bist sozusagen abhängig von der JVA und musst dich total korrekt ver.. Also jede kleinste Entgleisung führt zu einer Rückverlegung.
00:47:00: also du musst wirklich zeigen dass du verantwortungsvoll dich verhalten kannst.
00:47:05: sozusagen darfst du eben nichts zu schulden kommen lassen, aber dann hast du ein Großteil deines Lebens sozusagen wieder zurück.
00:47:14: Das heißt ich war sechzehn Monate im geschlossenen Vollzug und jetzt nochmal fünfzehn Monate insgesamt auf dem Vollzug in den Freigang.
00:47:23: Und während der Zeit du sagst es gab auch vor Ort Sozialarbeiter und Psychologen, hattest du dann also?
00:47:29: konntest du deine ambulante Therapie weiterführen?
00:47:31: Gab es Gesprächsmöglichkeiten?
00:47:33: überhaupt nicht.
00:47:34: Also die Psychologen im Gefängnis sind nicht dazu da, mit dir eine Therapie zu machen.
00:47:40: Sondern eher für ne Beurteilung auch mal ein Gespräch mit dir zu führen.
00:47:44: aber die haben die Kapazität dafür nicht wenn du Hunderte von gefangenen hast.
00:47:50: ich habe dann als ich in oftem vollzukam hab gesagt Ich möchte unbedingt ambulante Therapie sofort machen.
00:47:55: Da gab es noch das Problem dass Du übers Gefegnesjahr versichert bist und dass die Therapie nicht bezahlt wird.
00:48:03: Das heißt, ich musste dann am Anfang mir einen Therapieplatz suchen und den ersten Mal auch selber bezahlen.
00:48:08: Was ich aber auch getan habe weil es mir wichtig war als Prognose und als Stabilisierung für die Zeit danach.
00:48:15: also ich konnte bei erst dann nach den sechzehn Monaten die Therapie aufnehmen.
00:48:21: was man aber rückblickend sagen muss ist dass diese Zeiten Gefängnis so schlimm sie war suchtechnisch war sie in Segen Weil.
00:48:29: ich hatte keinen Zugang zu gar nichts mehr.
00:48:31: Ich konnte noch nicht mal mehr Kurse verfolgen.
00:48:34: Du hast kein Handy, du hast keinen Internet.
00:48:37: Du hast gar nichts und also du sozusagen abstinenter kann man gar nicht sein als dort.
00:48:43: Und ich muss auch sagen dass mir die abstinenz dort sehr leicht gefallen ist.
00:48:47: du hast natürlich doch andere probleme Keine frage
00:48:50: ganz wunderbare ablenken.
00:48:51: wir haben sehr vielen anderen.
00:48:53: aber es hat mehr.
00:48:54: also es hat mir suchtechnisch mir geholfen weil ich überhaupt nicht mehr dran gedacht habe überhaupt nicht mit versuchen geraten bin.
00:49:02: Dementsprechend jetzt dann auch, als ich in den offenen Vollzug kam und so.
00:49:05: Kein Drang hatte das jetzt wieder aufzunehmen.
00:49:08: Und da hat sich dann sozusagen wirklich was getan eine ganz harte Schule, ne ganz harten Kurs.
00:49:14: Ich wünsche mir natürlich niemandem.
00:49:17: Aber es war wahrscheinlich nötig muss man sagen.
00:49:22: Man muss auch bei den Gefängnismauern die Mauern sperren nicht ein aber sie schützen dich auch in gewisser Weise vor gewissen Dingen von äußeren Einflussen, von äußerern Problemen und äußerem Druck.
00:49:33: Und das hat mir irgendwann dann gut getan, dass alles auch mal sozusagen ausblenden zu können.
00:49:40: Ja?
00:49:41: Natürlich wenn du wieder draußen bist, je mehr du draußen bist umso mehr nimmst du das auch wieder auf.
00:49:46: aber suchtechnisch hat die Zeit mich weitergebracht, sonst war sie natürlich schlimm und hart und nichts was man irgendjemandem wünscht.
00:49:57: Wenn jetzt jemand da ist Der muss doch bestraft werden, wenn das was er tut.
00:50:00: Kann ich nur sagen geh einen Tag oder eine Woche da rein?
00:50:03: Es ist mehr als nur ne Strafe.
00:50:05: Ja und ich weiß nicht ob du Lust hast vielleicht eine Geschichte zu erzählen, weil du sagtest schon es gab schon Situationen die waren brenzbrenzenig.
00:50:14: so zum Abschluss vielleicht zu diesem Thema vielleicht noch mal so eine Story.
00:50:20: ja also ich hatte in der Situation Ins Gefängnis kam, gab es zwei Freizeiten.
00:50:26: Das heißt noch eine Stunde mehr und die wurde irgendwann gestrichen.
00:50:29: Und dann wurde erzählt dass sie gestrichene wurde weil sich jemand beschwert hätte oder mehrere sich beschwert hätten.
00:50:35: das so laut ist und das so und das sei anonym über den Brief geschehen.
00:50:40: und dann hat einer der dessen Thema Drogen unter anderem waren hat dann irgendwann rum erzählt ich wäre das gewesen weil ich wäre der einzige gewesen der Deutsch schreiben könnte Und es gibt im Gefängnis nichts gefährlicheres als Verräter.
00:50:56: Also das ist wirklich, da kann dir alles passieren.
00:50:59: Das heißt du kannst nicht so stehen lassen und dann stehst du ganz schnell auf dem Hof plötzlich mit dem Brust an Brust und ganz kurz vor der Eskalation.
00:51:09: Eskalations heisst dann
00:51:11: Prügelei oder was auch immer?
00:51:14: Ja es gibt selbstgebastelte Messer und so weiter gibt es ja.
00:51:20: Dann hatte ich zum Glück aber schon Leute, die mich auch unterstützt haben und die ein bisschen mehr Power sozusagen, bisschen mehr Bezeugungskraft in ihren Armen haben.
00:51:29: Schamant ausgedrückt!
00:51:31: Und die dann später zu dem in die Zelle gegangen sind, die nicht verprügelt haben, sondern eben aber erklärt haben dass wenn er weiter so was verbreitet hat es dann Probleme gibt.
00:51:41: So ging das gerade nochmal gut.
00:51:44: Ich war ja dann Schänzer also Reiniger, auch in der Strafhaft später Da ist meine Aufgabe den Gang zu reinigen und so weiter.
00:51:54: Und dann gab es einen Häftling, mit dem hatte ich wenig bis gar nichts zu tun bis dahin.
00:51:58: Und der hat wahrscheinlich am Sonntagmorgen schlechten Tag gehabt und er hat dann gesagt Es wäre nicht gut genug geputzt.
00:52:04: Er ist auf mich zugekommen und es gab ein Wortgefecht und dann wollte er mir glaube ich erst mal eine reinhauen sozusagen und dann hatte sich entschieden mehr ins Gesicht zu spucken.
00:52:14: Und darauf darfst du dann trotz allem nicht reagieren wenn du Weil der hat noch vier, fünf Jahre.
00:52:21: Ob er jetzt eine Meldung kriegt oder nicht ist dem scheiß egal.
00:52:24: aber bei mir ist es relevant weil ich will raus und solche Dinge können die einfach ganz schnell passieren, weil die Zündschnur ist dort ganz kurz und jeder hat Probleme, jeder hat Stress.
00:52:34: Boah, wie konntest du das aushalten?
00:52:37: Ja, du musst, da gibt's keine... Entweder zerbrichte oder hältst das aus.
00:52:43: Also
00:52:43: so viel für pure Selbstdisziplin
00:52:46: Oder du zerbrichst dran, es gibt nur diese
00:52:48: zwei Möglichkeiten.
00:52:50: Und darauf zu hoffen, dass jemand die Strafe abnimmt oder so?
00:52:52: Das funktioniert auch nicht.
00:52:55: Ja und ich würde schon sagen das ist quasi so intern unabhängig von vielleicht so Regelungen aber wie so eine eigene Kultur gibt, weil du sagtest ja eben Verräter ist ja schon mal das Allerschlimmste also wo es ist quasi unter den Insassen nochmal so andere Regelungen gibt, die man da auch erstmal durchblicken muss und sich dann entsprechend anpassen und verstehen, wo sortiere ich mich da irgendwie ein?
00:53:18: Ja.
00:53:19: Und auch ein anderes wertes System.
00:53:20: also du musst dir einfach vorstellen es gibt dort ja keine Trennung.
00:53:24: das heißt jemand der wie ich wegen Betrugsort sitzt hat als Nachbarn einen der jemanden umgebracht hat oder ein Vergewaltiger oder ein Pädophilen.
00:53:32: Das ist bunt gemischt sozusagen dort gibt keine separaten Trakt für Wirtschaftsbetrüger oder irgendwas.
00:53:38: Das heißt, du musst dich da dem nackten Alltag stellen.
00:53:42: Und im Gefängnis wird nicht so geurteilt wie draußen wahrscheinlich weil halt alle die da drin sind irgendwas getan haben.
00:53:52: aber was gar nicht geht ist also vergewaltiger oder pädophiler.
00:53:56: das ist no go.
00:53:58: beim ort gibt es schon eine unterscheidung.
00:54:00: wenn du Deine Frau umgebracht hat seine Wehrlose, dann ist es nicht okay.
00:54:04: Wenn du jetzt aber Mann gegen Mann sozusagen ... Dann kann das schon wieder cool und okay sein.
00:54:08: Was vertret bei ich?
00:54:09: Das ist
00:54:09: meine Meinung, aber so ist die
00:54:10: ... Ja genau, das ist
00:54:12: die interne
00:54:13: Bewertung der Situation.
00:54:15: Genau!
00:54:15: Und das ist was, was du natürlich auch dort lernen musst und mit dem du auch leben musst.
00:54:21: Bei vielen weißt du ja gar nicht an wem du bist weil je nachdem wie die Taten sind erzählt ja auch nicht jeder die Wahrheit.
00:54:28: Gerade wenn es Richtung Vergewaltigung und Pädophilie geht, dann erzählen die ganz andere Geschichten.
00:54:33: Irgendwann kriegst du vielleicht die Wahrheit mit?
00:54:35: Dann kannst du zum Beispiel passieren ... Du redest mit jemandem, der zu dir erst mal nett ist, aber der hat was getan, was nicht anerkannt ist, und dann bist du plötzlich ... Der ist duldet!
00:54:46: Und da bist du auch dort im Unterbeschuss.
00:54:49: Also kann dir ganz viele Dinge passieren, die man so aus der Welt draußen nicht kennt.
00:54:54: Und natürlich musst du das alles erst mal kennenlernen und irgendwie versuchen, damit klarzukommen.
00:55:02: Ja, Wahnsinn!
00:55:03: Ich glaube darüber könnte ich mich noch stundenlang unterhalten.
00:55:05: Ich habe noch einige Fragen in Petto aber ich schaue auf die Zeit und ich denke wir müssen nicht hier irgendwie ein Cut setzen.
00:55:11: Aber falls euch noch ganz bestimmte Fragen einfallen gerne auch kommentieren.
00:55:15: wir versuchen darauf zu reagieren um diese weiterzuleiten.
00:55:18: entsprechend an Michael Und falls ihr Themen habt oder Fragen zum Thema Spiel-Sucht, dann meldet euch gerne unter.
00:55:27: Null, Achthundert, Null.
00:55:28: Sieben, sieben, sechs, sechs, eins, eins!
00:55:29: Wir sind Montag bis Freitag zwischen zehn und sechzehn Uhr für euch erreichbar.
00:55:35: In der letzten Folge von dieser sehr spannenden Staffel geht es da so ein bisschen um den aktuellen Stand von Michael Woe.
00:55:42: ist er heute?
00:55:43: Ja, ihr habt's schon mitbekommen.
00:55:44: Er ist kurz vor der Entlassung.
00:55:45: bald ist der Albtraum vorbei Und wie es bei ihm privat weitergeht oder schon jetzt schon geht, gehst dann in der nächsten Folge
00:55:55: erst mal
00:55:56: zu dem Thema weiter.
00:55:57: Genau
00:55:58: so!
00:55:59: Ich verabschiede mich bis zur nächsten Folge.
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